CSU-Parteitag : "Ich lasse mich gern Dickschädel nennen"

Edmund Stoiber hat auf dem CSU-Parteitag mit seiner kämpferischer Rede die Delegierten erfreut. Besonders den Koalitionspartner SPD nahm der CSU-Chef in seiner Grundsatzrede kritisch ins Visier.

Augsburg - Edmund Stoiber streckte beide Daumen nach oben, als der Beifall auf dem CSU-Parteitag nicht aufhören wollte. Der Stimmungstest war gelungen: Trotz leicht bedrohlicher Umfragewerte spielten die Delegierten mit und gaben dem CSU-Chef in der Augsburger Schwabenhalle das erhoffte Signal der Geschlossenheit. Dazu trug auch die Grundsatzrede des bayerischen Ministerpräsidenten bei, die selbst von Gegnern einer erneuten Spitzenkandidatur gelobt wurde.

Weniger erfreut war wohl der Berliner Koalitionspartner SPD vom Auftritt Stoibers. Denn der CSU-Chef hatte sich vor allem die Sozialdemokraten als Zielscheibe ausgesucht, um bei den Delegierten zu punkten.

Überraschend heftig ging Stoiber in seiner Rede den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck an. Dieser habe als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident sein Land "immer höher in die Schulden getrieben". Und mit Blick auf die Debatte über den nächsten Kanzlerkandidaten der SPD fügte Stoiber hinzu: "Herr Beck soll erst seine Hausarbeiten machen, bevor er weitere Ambitionen anmeldet!"

Auch vor Bush machte Stoiber nicht halt

Nicht einmal vor US-Präsident George W. Bush machte Stoiber Halt. Er widerspreche dessen Argument, die Türkei müsse aus sicherheitspolitischen Gründen EU-Mitglied werden. Der CSU-Chef betonte unter dem Jubel der Delegierten, Bush soll erst einmal "Nicaragua zu den USA holen - dann können wir darüber reden".

Geradezu genüsslich schilderte Stoiber die Anfeindungen in Berlin wegen seines Kampfes für bayerische Interessen. Hierfür lasse er sich "gern einen Dickschädel nennen". Zugleich versicherte der CSU-Chef der Schwesterpartei CDU: "Wir gehören als Union zusammen und halten zusammen." Zudem habe die CSU sowohl bei den Kommunalwahlen als auch bei der Landtagswahl 2008 "alle Chancen".

Dabei stehen einer erneuten Spitzenkandidatur von Stoiber zumindest formale Gründe nicht im Wege. Der CSU-Parteitag lehnte einen Antrag ab, in dem eine Beschränkung der Amtszeit auf zehn Jahre verlangt wurde. Stoiber ist schon seit 1993 Ministerpräsident. Außerdem war eine künftige Direktwahl des Regierungschefs gefordert worden.

CSU-Chef zieht positive Bilanz

In gewisser Weise ging der Vorstoß der Stoiber-Kritiker sogar nach hinten los, denn CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann nutzte die Gelegenheit für eine klare Ankündigung: Er wolle Stoiber im nächsten Jahr erneut als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl vorschlagen.

Da zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sehr freundlich von den Delegierten aufgenommen worden war, konnte der CSU-Vorsitzende eine ausgesprochen positive Bilanz des Parteitages ziehen. Stoiber lobte in seinem Schlusswort, die CSU habe in schwieriger Zeit "Geschlossenheit und Aufbruch" deutlich gemacht. Er glaube, dass alle sagen könnten: "Wir sind stolz, in der CSU zu sein." Richtig ernst wird es für Stoiber allerdings erst auf dem Parteitag im nächsten Jahr, wenn die Wiederwahl des CSU-Chefs ansteht. (Von Jörg Säuberlich, ddp)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben