CSU-Spitze : Schöner noch als fränkischer Fasching

Die CSU-Fraktion schlägt Günther Beckstein für das Amt des Ministerpräsidenten vor – von Stoibers Schatten will er nichts wissen.

Mirko Weber
Beckstein
Noch Bayerns Innenminister: Günther Beckstein. -Foto: dpa

MünchenDie Öffentlichkeit kennt Günther Beckstein eher als eine strenge Natur. Teilweise bringt das die Arbeit als  mit sich, teilweise ist es temperamentsbedingt: Beckstein verwirklicht sich als Arbeitstier. Beschwingter schon wirkt er während des fränkischen Faschings, aber richtig glücklich sieht man ihn nur selten. Der Donnerstag war daher ein Ausnahmetag für ihn. Denn Beckstein hat sich durchgesetzt. Nicht nur hat ihn die CSU-Fraktion mit 119 von 122 Stimmen zum Kandidaten für die Nachfolge Edmund Stoibers als Ministerpräsident bestimmt, sondern sie hat es auch vor der Sommerpause getan. So wie Beckstein es – im Gegensatz zu Stoiber – gewollt hat. Damit frühzeitig vor dem Wahltermin am 9. Oktober Klarheit herrscht.

Obwohl er für seine Verhältnisse innerlich glüht, erinnert Günther Beckstein im Landtag zuerst noch einmal bedächtig daran, dass er natürlich die „großen Schuhe“ vor sich sehe, die der bisherige Amtsinhaber stehen lasse. Manche, sagt Beckstein, „haben auch von einem Schatten gesprochen“. Den sehe er nicht. Wo er aber gerade so schön im Licht steht, verhehlt Beckstein nicht seine Genugtuung, dass es mit ihm zum ersten Mal in der bayerischen Nachkriegsgeschichte ein „evangelischer Franke“ zum höchsten Amt bringen wird. Spätestens nach dem Parteitag der CSU im September, wenn Stoiber auch als CSU-Chef abtritt, muss Beckstein sein Amt mit Leben füllen. Beim Parteivorsitz hat sich Beckstein mit seiner Präferenz für Erwin Huber festgelegt. Unklar ist, wer Beckstein selbst im Innenministerium beerben wird. Es könnte durchaus zu einer größeren Umgestaltung an der Spitze der Landesregierung und in der CSU kommen, sobald Beckstein und Huber die Geschäfte führen. Auch der Posten des Generalsekretärs Markus Söder steht dann wohl zur Disposition, auch wenn Söder Franke ist.

In den letzten Tagen hat Beckstein fast unisono mit Huber schon einmal erkennen lassen, dass er sich zutraut, die CSU programmatisch ein Stück zu verschieben, eben weil es „rechts von der CSU kein politisches Vakuum“ geben dürfe, wie Huber das formuliert. Beckstein ist der Meinung, dass sich in der CSU der „aufgeklärte Patriot zu Hause fühlen muss, der sagt: ,Ich bin stolz darauf, ein Deutscher zu sein und will etwas für mein Land tun.’“ Das klingt nach einer nicht ganz ungefährlichen Operation, und man darf gespannt darauf sein, wie Beckstein sie bewerkstelligen will, ohne dass die Partei nachhaltigen Schaden leidet.

Der Fraktion immerhin durfte am Donnerstag Joachim Herrmann, der im letzten halben Jahr doch arg gebeutelte und nicht immer mit Fortune agierende Fraktionsvorsitzende, gewissermaßen ein Eigenlob aussprechen, weil sie bei zwei Neinstimmen und einer Enthaltung (war es Stoiber?) mustergültig „Geschlossenheit gezeigt“ habe. Höchstes Lob gar zollte Herrmanns Vorgänger, Landtagspräsident Alois Glück, der nie ein wirklicher Freund Stoibers gewesen ist. Becksteins Wahl, sagte Glück, gehöre zu „den besten Stunden der Fraktion in der letzten Zeit“.

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