Politik : CSU-Tagung: Landesgruppe will Stoiber als Kanzlerkandidaten

Die CSU will ihrem Parteichef Edmund Stoiber die Kanzlerkandidatur bis 2002 offen halten. "Jede Vorfestlegung in die eine oder andere Richtung wäre falsch", sagte CSU-Landesgruppenchef Michael Glos am Montag zum Auftakt der Tagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth. Stoiber sei für die Union "ein gewaltiger Hoffnungsträger". Ein Verzicht auf die Kandidatur wäre nicht seine Privatsache. Der bayerische Ministerpräsident selbst lehnte in München jeden Kommentar ab. CSU-Generalsekretär Thomas Goppel forderte, die Debatte rasch zu beenden.

Ex-Parteichef Theo Waigel und CSU-Vize Horst Seehofer schlossen sich der Forderung nach einem sofortigen Ende der Kandidaten-Debatte an. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte im Deutschlandfunk, erst Anfang 2002 werde gemeinsam entschieden, wer Kanzlerkandidat der Union werden soll. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU im Bundestag, Ramsauer, sagte, die CSU müsse sich "die Option offen halten, einen Kandidaten zu stellen".

Glos, der erst kürzlich Stoiber als Kanzlerkandidaten ins Gespräch gebracht hatte, bekräftigte in Kreuth seinen Vorstoß. Er sei von dem bayerischen Ministerpräsidenten "überzeugt", sagte der Chef der 47-köpfigen Landesgruppe. Vorwürfe, mit der Debatte die CDU zu schädigen, wies er zurück. Es gehe in der Diskussion "nicht um persönliche Eitelkeiten". Es wäre zur "Unzeit", jetzt schon auf einen möglichen CSU-Kandidaten zu verzichten. Er wies auch Vermutungen zurück, die von ihm angestoßene Debatte richte sich gegen die CDU-Vorsitzende Angela Merkel. "Wir haben hohen Respekt vor Frau Merkel", sagte Glos. Merkel selbst sagte unterdessen, dass es "keinen Zweifel gibt, dass CDU und CSU diese Entscheidung gemeinsam treffen werden". Der frühere Finanzminister Waigel sagte der "Passauer Neuen Presse": "Die Erfahrung lehrt, dass wir immer dann, wenn wir besonders intensiv über den Kanzlerkandidaten geredet haben, anschließend nicht den Kanzler gestellt haben". Der ehemalige Gesundheitsminister Seehofer meinte zur Kandidatenwahl, "das machen wir in einem Jahr". Die CSU sei "gut beraten, noch abzuwarten".

Auch der als Gast zu der Tagung eingeladene baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) kritisierte die Diskussion. Gespräche müssten in einem Jahr stattfinden. CDU und CSU würden sich mit der Kandidatenkür allerdings nicht so lange Zeit lassen wie die SPD vor der Bundestagswahl 1998 mit der Wahl Gerhard Schröders.

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering erklärte in Berlin, Stoiber sitze in der Falle. Je fundamentalistischer der CSU-Chef die Politik der Bundesregierung bekämpfe, um so sicherer bereite er den Boden für die Kandidatur von CDU-Chefin Merkel. Stoiber werde nur kandidieren, wenn er Anfang 2002 eine Chance sehe, auch gewählt zu werden.

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