Politik : CSU vermisst bei Merkel Teamgeist

Robert Birnbaum

Berlin - Dass die CSU von ihrer Landesgruppentagung im Wildbad Kreuth aus der CDU Ratschläge gibt, gehört zur Tradition. Dass der Landesgruppenchef persönlich diesmal den Ton anschlägt, lässt darauf schließen, dass Michael Glos die Tonlage bestimmen will, bevor andere die Missstimmung aus dem letzten Jahr neu beleben. Glos’ Ausführungen im „Stern“ über CDU-Chefin Angela Merkel sind folglich in gerissenem Moll gehalten. Merkel, sagt Glos, müsse die Menschen wie die Unionsparteien besser mitnehmen, stärker einbinden, mehr Teamgeist zeigen. CDU und CSU seien Volksparteien, da finde man keine Lösungen „im Handstreichverfahren“.

Das klingt hart – folgte nicht der Kritik der Appell. „Ich glaube, einsame Entscheidungen hat sie nicht mehr nötig“, rät Glos väterlich. Merkel solle „die Dinge künftig lockerer angehen und zeigen, dass sie in der Lage ist, auch rivalisierenden Männern zu vertrauen“. Dahinter steckt nicht nur Kritik, sondern vor allem Sorge, dass Merkel die Wahl 2006 nicht allein gewinnen kann. Nicht zufällig nennt Glos das Engagement der CDU-Ministerpräsidenten „steigerungsfähig“.

Dass all dies eher geschwisterliche Mahnungen als herbe Kritiken sind, zeigt der Vergleich mit dem prominentesten Opfer des Unionsstreits im abgelaufenen Jahr. CSU-Vize Horst Seehofer – der nebenbei darauf besteht, CSU-Vize zu bleiben – mahnt via „Leipziger Volkszeitung“, die Unionsführung müsse sich fragen, wieso CDU und CSU von 50 auf 38 Prozent in den Umfragen abgesackt seien. Woran das liegt? Seehofers Antwort kommt indirekt, auf die Frage, ob Merkel und Edmund Stoiber gute Parteichefs seien. „Es gibt keine anderen“, sagt Seehofer lakonisch. „Also sind sie die besten, die zur Verfügung stehen.“

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