Politik : CSU vor der Entscheidung: Stoibers Huber oder Beckstein

Mirko Weber

München - Edmund Stoiber erwägt, nach Berlin zu gehen, und das ist für den Zauderer fast schon eine Festlegung. Sowohl der alte CSU-Fraktionsführer im Landtag, Alois Glück, wie auch der neue, Joachim Herrmann, haben nur wenig verbrämt zu erkennen geben, diese Entscheidung sei allmählich auch an der Zeit gewesen. Und so stellt sich also schon wieder eine Nachfolgefrage. Der Chef der Bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber, sonst eher ein Taktierer, hat ungewohnt angriffslustig verkündet, dass er bereitstünde. Und Huber kommt normalerweise nicht ohne die Rückendeckung seines Chefs Stoiber aus der Deckung. Das spricht dafür, dass der CSU-Chef Huber auch gegen Widerstände aus den eigenen Reihen als Nachfolger durchsetzen würde. Huber war 2002 schon einmal Kronprinz, aber damals gelang Stoiber der Sprung nach Berlin nicht. Huber musste sich daraufhin der höchst unangenehmen Aufgabe widmen, Stoibers Sparkurs in Richtung schuldenfreier Haushalt 2006 durchzupeitschen.

Der andere potenzielle Nachfolger, Innenminister Günther Beckstein, zeigte sich im Landtag sichtlich überrascht über Hubers Vorstoß, was unter anderem beweist, dass Beckstein das politische Macht- und Ränkespiel einfach nicht so gut beherrscht. Es sei „nicht optimal“, die Diskussion über die Medien auszutragen. „Wenn Edmund Stoiber dezidiert geht“, sagte Beckstein weiter, würden sich Huber und er mit Stoiber unterhalten.Später verschärfte er allerdings den Ton und sagte, dass es in der Demokratie auch „die Möglichkeit von Abstimmungen“ gebe.

Beckstein erreichte auf dem letzten CSU-Parteitag zum wiederholten Mal ein besseres Ergebnis als Stoiber, womit die Partei signalisierte, dass sie es schon schätzt, dass einer nicht nur klein beigibt. Für Vasallentreue zu Stoiber steht Huber; Beckstein hingegen hat es geschafft, auf seiner Meinung zu beharren, als es Streit gab um die Verwaltungsreform. Auch lässt er sich ungern in die Belange seines Innenministeriums hineinreden. Auch die CSU-Fraktion stünde wohl mehrheitlich hinter Beckstein, und die „Fraktion hat das letzte Wort“, wie Herrmann betont. Huber aber ist katholisch, wie es sein soll, und hat seine Parteiregion Niederbayern so im Griff wie die CSU den ganzen Freistaat noch gern hätte. Beckstein ist ein besessener, selbstloser Arbeiter, aber Protestant und obendrein Franke. Das gab es in Bayern noch nie: einen evangelischen Ministerpräsidenten, der nicht aus Altbayern kommt.

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