CSU-Vorsitz : Mehrheit offenbar gegen Seehofer

In der CSU mehren sich die Stimmen, die eine schnelle Entscheidung im Tauziehen um den Parteivorsitz fordern. Dabei hat offenbar Bayerns Wirtschaftsminister Huber die Nase vorn.

München - In der CSU werden Bundesagrarminister Horst Seehofer nur noch geringe Chancen auf die Übernahme des Parteivorsitzes eingeräumt. Mehrere CSU-Vorstandsmitglieder und Kreisvorsitzende sagten, dass eine Mehrheit die erwogene Lösung mit Innenminister Günther Beckstein als Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Erwin Huber als Parteichef favorisiere. Mit offiziellen Stellungnahmen halten sich die meisten CSU-Leute zwar zurück. Inoffiziell wird jedoch freimütig eingeräumt, dass sie Huber als Parteichef für die bevorzugte Lösung halten.

"Das läuft stark Richtung Beckstein und Huber", sagte ein CSU-Vorstandsmitglied. "Die Sehnsucht nach Ruhe ist an allen Ecken zu spüren." Die Parteispitze sei "wild entschlossen", die Lösung durchzusetzen. Huber und Beckstein repräsentierten zwei Seiten, die für die CSU sehr wichtig seien. "Beckstein ist der Moderator, Huber verkörpert den Reformeifer." Huber sei zudem im Gegensatz zu Seehofer ein "echter Parteisoldat und Teamspieler".

"Nicht wieder längere Diskussionen"

Ein Kreisvorsitzender sagte, an der Basis werde das Tandem Beckstein/Huber mit großer Erleichterung aufgenommen. "Ich hoffe sehr, dass Horst Seehofer bei näherem Nachdenken erkennt, dass wir jetzt nicht wieder längere Diskussionen gebrauchen können." Für einen anderen CSU-Kreischef ist Huber zwar kein Bundespolitiker, aber als ehemaliger Staatskanzleichef bundespolitisch sehr versiert.

Die Kreisvorsitzenden sind ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Parteivorsitzenden, weil sie als Delegierte auf dem Parteitag vertreten sind und dort ihre Truppen sammeln. Sie sind zudem im Landtag stark vertreten. In der Landtags-CSU sei Huber klarer Favorit, Seehofer dagegen eher wenig beliebt, hieß es. Aus der CSU-Landesgruppe in Berlin verlautete ebenfalls, dass sich die christsozialen Bundestagsabgeordneten der Lösung Beckstein/Huber nicht entgegen stellen wollen. (tso/dpa)

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