Cyberattacken auf US-Firmen : Das Weiße Haus droht - ohne China zu nennen

Mehrere Cyberattacken auf Firmen rufen die US-Regierung auf den Plan. Die Spuren führen nach China. Wie will man den Angriffen begegnen?

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„Wir können nicht in späteren Jahren zurückblicken und uns fragen, warum wir angesichts der realen Bedrohungen für unsere Sicherheit und unsere Wirtschaft nichts getan haben.“ – Vor zehn Tagen hat US-Präsident Barack Obama in seiner Rede zur Lage der Nation vor der wachsenden Bedrohung durch Cyberattacken auf die USA, auf Einzelpersonen, die Wirtschaft und auf kritische Infrastruktur des Landes gewarnt.

Am Montag dieser Woche machte Mandiant, eine US-Firma für Computersicherheit, Schlagzeilen mit der Nachricht, dass es ihr gelungen sei, erstmals digitale Angriffe auf Firmen und Organisationen in den USA direkt zum chinesischen Machtapparat zurück zu verfolgen. Am Mittwoch legte das Weiße Haus einen Plan gegen Industriespionage vor. Als Einleitung dient Obamas mahnender Satz gegen das Nichtstun.

Sein Sprecher Jay Carney betonte zwar, man müsse sauber trennen zwischen den beiden unterschiedlichen Bedrohungen: bei den Angriffen auf Regierungsnetzwerke, Think Tanks und Zeitungen gehe es um Fragen der nationalen Sicherheit, beim Diebstahl von Copyright-geschützten Informationen zu Produktionsabläufen und Patenten dagegen um kommerzielle Interessen. Der neue Aktionsplan des Weißen Hauses betreffe nur den zweiten Aspekt. Wegen der zeitlichen Nähe wirkt es aber so, als reagiere Obama auf beides zugleich, ohne dass er China offiziell einen Cyberangriff vorwerfen muss.

Wer ist Ziel der Angriffe?

Zuletzt hat am Dienstag Apple gemeldet, Opfer eines groß-dimensionierten Hacker-Angriffs geworden zu sein. Kurz zuvor war Facebook an der Reihe. Die Drahtzieher werden in China vermutet, ebenso wie bei den Angriffen jüngst auf die Redaktionssysteme bei der New York Times und der Washington Post. Auch Rüstungskonzerne sind Ziel von Cyberattacken. Nach Erkenntnissen von Mandiant haben Hacker aus China mehrere Hundert Terrabytes an Datenmaterial von mindestens 141 Organisationen aus verschiedenen Branchen vor allem in den USA gestohlen. Die Zahl der in den USA gemeldeten Cyberangriffe ist insgesamt demnach 2011 gegenüber 2012 um 75 Prozent gestiegen. Aus dem Bereich Ostasien und dem pazifischen Raum kamen im Jahr 2001 43 Prozent aller Attacken.

Welche Maßnahmen plant die US-Regierung?

Zunächst kündigt das Weiße Haus an, den diplomatischen Druck auf jene Länder zu erhöhen, von denen aus regelmäßig in großem Maßstab Wirtschaftsspionage betrieben wird. Das US-Außenministerium soll demnach sicherstellen, dass beim diplomatischen Austausch mit Vertretern der entsprechenden Staaten künftig das Thema Spionage immer angesprochen werden soll. Die USA wollen zudem enger mir anderen betroffenen Staaten zusammenarbeiten. Die USA streben dabei „internationale Koalitionen“ zum „verbesserten Schutz von Wirtschaftsgeheimnissen“ an. Explizit wird auch angeführt, mit Mitteln der Handelspolitik reagieren zu wollen. Was das konkret für Handelsabkommen oder Zollbestimmungen heißen könnte, wird allerdings nicht ausgeführt.

Die US-Regierung will zudem die privatwirtschaftliche Entwicklung von Abwehrtechnologie und die Anwendung durch Unternehmen unterstützen. Außerdem kündigt das Justizministerium an, Spionage durch „ausländische Wettbewerber und fremde Regierungen“ bei der Ermittlung und Verfolgung zur „Top-Priorität“ zu machen. Präsident Obama kündigt zudem weitere Gesetzesvorlagen zur Strafverfolgung von Cyberspionage an. Auch die Öffentlichkeit soll für die Gefahren sensibilisiert werden.

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