Cyberkrieg : Hacker attackieren Arizona wegen Einwanderungsgesetz

Die neue Attacke von LulzSec richtet sich gegen die Behörden des "Polizeistaates Arizona". Auch Brasiliens Regierung macht Bekanntschaft mit den Hackern. Innerhalb der Szene gibt es aber offenbar Ärger.

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Werden Kriege in Zukunft mit Computerviren geführt?
Werden Kriege in Zukunft mit Computerviren geführt?Foto: dapd

Die Hackergruppe LulzSec hat sich ein neues Angriffsziel gesucht. Mit einer Attacke auf die Behörden von Arizona protestierte die Hackergruppe gegen das restriktive Einwanderungsrecht im US-Staat, den die Hacker als "Polizeistaat" bezeichnen. Die Gruppe habe persönliche E-Mails, Namen und Passwörter der Beamten aus Arizona sowie geheime Dokumente veröffentlicht, teilte LulzSec auf ihrer Webseite mit. Das von Kritikern als rassistisch eingestufte Einwanderungsgesetz wurde im vergangenen Jahr verabschiedet; ein Gericht hat danach die Bestimmung gekippt, wonach Personen allein aufgrund ihres Aussehens von der Polizei nach ihren Papieren befragt werden können.

Auch die brasilianische Regierung war gestern zum zweiten Mal Ziel einer Hackerattacke. Die Website war stundenlang nicht abrufbar, und es gab Probleme mit den Web-Präsenzen des Senats. Bereits am Mittwoch hatte LulzSec die Webseiten des brasilianischen Finanzministeriums und die Regierungsseite „Portal Brasil“ zeitweise lahm gelegt. Nach Angaben des zentralen Datenverarbeitungszentrums (Serpro) wurden in kurzer Zeit fast zwei Milliarden Datenanfragen gestellt, was die Server in die Knie gehen ließ. Das Zentrum versicherte, die Hacker hätten keinen Zugang zu vertraulichen Daten bekommen. LulzSec Brasil stellte dagegen am Donnerstag im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter Links ein, die auf Seiten mit Daten von Präsidentin Dilma Rousseff und von São Paulos Bürgermeister Gilberto Kassab führten. Dort waren unter anderem deren Steuernummern und Geburtsdaten zu lesen. Woher die Daten stammen und ob sie echt sind, ist noch unklar.

Die Nato als Angriffsziel

Die Verteidigung gegen Cyber-Angriffe hat die Nato zu einer ihrer wichtigsten Aufgaben ausgerufen. Auf der Internet-Plattform „The Pirate Bay“ hieß es unterdessen von LulzSec: „Hacker der Welt vereinen sich und führen direkte Aktionen gegen unsere gemeinsamen Unterdrücker - die Regierungen, Konzerne, Polizei und Streitkräfte der Welt durch.“ Seit gestern wird vermutet, dass auch die Nato Opfer eines Hackerangriffs geworden ist. Das Militärbündnis teilte mit, von einer seiner Internetseiten seien “wahrscheinlich“ Daten ausgespäht worden. Geheiminformationen seien allerdings nicht betroffen. Bei der Internetseite handele es sich um den elektronischen Buchladen, über den man Nato-Veröffentlichungen beziehen könne.

Für den zu Wochenbeginn in Großbritannien festgenommenen mutmaßlichen Hacker von LulzSec hat ein Gericht in London gestern Untersuchungshaft angeordnet. Seit seiner Festnahme am Montag habe er „mit den Ermittlern zusammengearbeitet“, sagte sein Anwalt. Dem 19-Jährigen wird vorgeworfen, in Computersysteme eingedrungen zu sein, um Online-Attacken auf Unternehmen und Geheimdienste vorzunehmen. Seine Mutter erklärte in mehreren britischen Medien, dass ihr Sohn sehr verschlossen sei und unter Angstzuständen sowie Aufmerksamkeitsstörungen leide. LulzSec erklärte über den Kurzmitteilungsdienst Twitter jedoch, dass der Beschuldigte nicht zu ihnen gehöre, der Hacker-Gruppe aber einen IRC-Server für einen Chat-Kanal bereitgestellt habe.

Die Hacker der Welt verbünden sich - auch gegeneinander

Die derzeit agierenden prominenten Hackergruppen wollen in der Szene beachtetet werden, aber auch konkret gegen Behörden und Unternehmen vorgehen. LulzSec hatte in den vergangenen Wochen zahlreiche Onlineangriffe gestartet. Unter den Opfern waren der US-Senat sowie die Unternehmen Sony und Nintendo. Am Mittwoch vergangener Woche legten die Hacker die Internetseite der CIA für gut zwei Stunden lahm. Am Montag bekannten sie sich über Twitter auch zu einer Attacke auf die auf die britische Behörde zur Bekämpfung organisierter Kriminalität (SOCA.). "Unsere Kampfflotte Lulz Lizard erklärt den sofortigen und unermüdlichen Krieg", teilte die Gruppe Anfang der Woche zum Auftakt der gemeinsamen "Operation Anti-Security" (AntiSec) mit, die sie gemeinsam mit der Hackergruppe "Anonymous" gestartet hat. Doch scheint sich innerhalb der Szene Ärger abzuzeichnen. Sowohl die Web Ninjas als auch die niederländische Gruppe Team Poison wollen LulzSec angeblich mit aller Macht bekämpfen, um den Frieden im Internet wiederherzustellen. Beispielsweise legten Aktivisten des TeamPoison den Blog eines mutmaßlichen LulzSec-Mitglieds lahm und drohten damit, Namen und andere Daten von LulzSec-Mitgliedern bekannt zu geben. „Hoffentlich könnt ihr schwimmen, weil das Lulz-Boot gerade zur Titanic geworden ist“, heißt es in der Mitteilung in Anspielung an das Schiffssymbol von LulzSec. (mit dpa)

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