D-Day-Feiern und Ukraine-Krise im News-Blog : Putin attestiert Poroschenko richtige Krisenstrategie

In der Normandie finden die Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Alliierten-Landung mit Veteranen sowie Staats- und Regierungschefs statt. Am Rande sprechen Angela Merkel, Barack Obama und auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko mit Russlands Präsident Putin. Die Ereignisse des Tages können Sie hier nachlesen

von
Dicht beisammen. Russlands Präsident Putin, Frankreichs Staatschef Hollande, US-Präsident Obama und die britische Königin Elizabeth II. (v.l.n.r.)
Dicht beisammen. Russlands Präsident Putin, Frankreichs Staatschef Hollande, US-Präsident Obama und die britische Königin...Foto: AFP

+++ Erstes Treffen zwischen Putin und Poroschenko +++

Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinem neugewählten ukrainischen Amtskollegen Petro Poroschenko eine richtige Strategie zur Beilegung des Konflikts in dessen Land bescheinigt. "Der Ansatz erscheint mir insgesamt richtig, er hat mir gefallen", sagte Putin am Freitag im russischen Fernsehen während seines Besuch in Frankreich. Dort traf Putin zum ersten Mal mit Poroschenko zusammen, der die ukrainische Präsidentschaftswahl am 25. Mai klar gewonnen hatte.

Allerdings sieht Russlands Staatschef nicht sein eigenes Land, sondern die Ukraine unter Zugzwang: "Die Ukraine muss ihren guten Willen demonstrieren", sagte Putin. "Die repressive Operation muss ein Ende haben." Auch die Gespräche mit den anderen Staats- und Regierungschefs am Rande der Gedenkzeremonie hätten zu einem "sehr positiven Meinungsaustausch" geführt.

Zu den Gasverhandlungen zwischen dem russischen Energieriesen Gazprom und dem staatlichen ukrainischen Naftogaz-Konzern sagte Putin im Fernsehen: "Nein, ich habe nicht mit Poroschenko über Gaspreise gesprochen. Aber ich weiß, dass Gazprom und sein ukrainisches Pendant nah an einem endgültigen Deal sind." Poroschenko begrüßte seinerseits die Aufnahme eines Dialogs mit Putin und sagte im ukrainischen Fernsehen, es gebe "gute Chancen", dass er zu einer Lösung der Krise führen werde. Zugleich sagte er, Putins Reaktion auf die Frage der Krim sei "nicht angenehm" gewesen.

Auf Augenhöhe. Kanzlerin Merkel, der designierte ukrainische Präsident Poroschenko und Russlands Staatschef Putin (v.l.n.r.).
Auf Augenhöhe. Kanzlerin Merkel, der designierte ukrainische Präsident Poroschenko und Russlands Staatschef Putin (v.l.n.r.).Foto: AFP

+++ Merkel legt Kranz auf Soldatenfriedhof nieder +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigt die Opfer der Alliierten im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen Hitler-Deutschland. Deutschland könne "dankbar" sein, "dass die Allierten solche Opfer erbracht haben, um eines Tages die Befreiung vom Nationalsozialismus durchzusetzen", sagte Merkel bei einem Besuch in der nordfranzösischen Gemeinde Ranville. Diese Befreiung habe einen "unermesslich hohen Preis" gehabt. "Hunderttausende Menschen bezahlten damals für Frieden und Freiheit mit ihrem Leben." Auf dem Soldatenfriedhof von Ranville, auf dem vor allem britische, aber auch 322 deutsche Soldaten beerdigte sind, legte Merkel einen Kranz nieder. Begleitet wurde sie von Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. Britische Soldaten nahmen Ranville in der Nacht auf den 6. Juni 1944 ein, die Gemeinde gilt als erste des französischen Festlandes, die von der Nazi-Besatzung befreit wurde.

+++ Hollande würdigt Rote Armee und Mut der Deutschen +++

Bei der zentralen Feier-Zeremonie drückt Frankreichs Präsident François Hollande seine Anerkennung gegenüber der Sowjetunion wegen ihres „entscheidenden Beitrags“ zum Sieg über Hitler-Deutschland aus. Er ziehe den Hut vor dem „Mut der Roten Armee, die es - 150 deutschen Divisionen gegenübergestellt - vermocht hat, diese zurückzudrängen und zu besiegen“, sagte Hollande. Zugleich würdigte er „den entscheidenden Beitrag der Völker der damaligen Sowjetunion“ zum Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg.

Unter dem Applaus der mehreren Tausend Gäste schloss Hollande ausdrücklich die deutschen Opfer mit ein. Er sprach von einem Sieg auch der Deutschen gegen die Nazis. „Ich möchte den Mut der Deutschen würdigen, die auch Opfer des Nazismus waren und in einen Krieg hineingezogen wurden, der nicht der ihre war und der nicht der ihre hätte sein sollen“, sagte Hollande.

+++ "Informelles Gespräch" zwischen Putin und Obama +++

Auch US-Präsident Barack Obama trifft seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin nach Angaben des Weißen Hauses am Freitag am Rande der Feierlichkeiten in der Normandie zu einem „informellen Gespräch“. Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes sagte nach Angaben des Weißen Hauses, das 10 bis 15 Minuten lange Gespräch zwischen Obama und Putin sei kein formelles bilaterales Treffen gewesen. Kremlsprecher Dmitri Peskow teilte mit, beide Politiker hätten sich für ein schnelles Ende der Gewalt und der Militäraktionen in der Ostukraine ausgesprochen. „Obwohl das kein eigens angesetztes Treffen war, hatten die Staatsoberhäupter die Möglichkeit, ihre Meinungen über die Lage in der Ukraine auszutauschen - und auch über die Krise in der Ostukraine“, sagte Peskow laut Agentur Interfax.

+++ Zentrale Gedenkfeier in Ouistreham +++

In Ouistreham beginnt die zentrale Feier zum 70. Jahrestag der Landung in der Normandie. Staats- und Regierungschefs aus rund 20 Ländern sind dabei; Gastgeber François Hollande ist mit Manuel Valls, seinem Premierminister, erschienen. Kanzlerin Angela Merkel unterhält sich vor Beginn der Zeremonie mit Veteranen in der ersten Reihe. Ein Veteran schüttelt die Hand von Hollande und fragt ihn dabei offenbar, wie das Mittagessen verlaufen sei, an dem auch Russlands Präsident Wladimir Putin und der designierte ukrainische Staatschef Petro Poroschenko teilgenommen haben.

+++ Bald Gespräche über Waffenstillstand? +++

Vom Treffen der Staats- und Regierungschefs gehen bei den Feiern zum 70. Jahrestag der Landung in der Normandie Hoffnungssignale aus: Am Rande der Feiern trafen erstmals Russlands Präsident Wladimir Putin und der designierte ukrainische Staatschef Petro Poroschenko zusammen. Wie aus dem Umfeld des französischen Präsidenten François Hollande am Freitag verlautete, dauerte das Treffen etwa eine Viertelstunde und fand vor dem Mittagessen der Staats- und Regierungschefs im Schloss von Bénouville statt. Putin und Poroschenko hätten sich die Hand gegeben und sich "vollkommen normal unterhalten", hieß es. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm neben Hollande den Angaben zufolge an dem Treffen teil. Wie es aus der Umgebung von Hollande weiter hieß, sei vereinbart worden, in den nächsten Tagen über die "Modalitäten eines Waffenstillstandes" zu beraten. Derweil gingen sich US-Präsident Barack Obama und Putin beim Familienfoto der D-Day-Feiern vor dem Schloss Bénouville aus dem Weg.

+++ Putin schaut demonstrativ von der Kanzlerin weg +++

Kanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Wladimir Putin haben ihr Gespräch am Rande der D-Day-Feiern beendet. Nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen dauerte das Gespräch in Deauville knapp über eine Stunde. Es war das erste persönliche Treffen der beiden seit langem. Ergebnisse des Gesprächs wurden zunächst nicht bekannt.

Merkel begegnete Putin mit ungewohnt ernst wirkendem Gesichtsausdruck, zeitweise mit demonstrativ hochgezogenen Augenbrauen und einem strengen, ermahnend wirkenden Blick. Putin setzte sich breitbeinig auf die andere Seite des Beistelltischchens, das ihn von Merkel trennte und schaute ebenfalls demonstrativ von der Kanzlerin weg zur Seite. Nach dem Treffen mit Putin wollte Merkel auf Einladung des französischen Präsidenten François Hollande in Bénouville knapp 40 Kilometer westlich von Deauville an einem gemeinsamen Mittagessen der Staats- und Regierungschefs teilnehmen. Mit Spannung wurde erwartet, wie Putin bei den Feierlichkeiten im Kreis der westlichen Staats- und Regierungschefs aufgenommen wird. Ob es auch zu einem Gespräch des Kremlchefs mit US-Präsident Barack Obama kommen wird, war zunächst unklar. Am Vorabend hatte Putin in Paris bereits den britischen Premier David Cameron getroffen. Im Anschluss war er von Hollande empfangen worden.

+++ Kurzer Händedruck zwischen Merkel und Putin +++

Blicke sagen mehr als Worte: Angela Merkel und Wladimir Putin.
Blicke sagen mehr als Worte: Angela Merkel und Wladimir Putin.Foto: dpa

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist am Rande der D-Day-Gedenkfeiern in der Normandie mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengekommen. Beide wollten am Freitag im französischen Deauville beim ersten persönlichen Treffen seit Beginn der Ukraine-Krise über Wege zur Wiederannäherung beraten. Zur Begrüßung gaben sich Merkel und Putin kurz die Hand, die Atmosphäre wirkte kühl. Die Politiker saßen vor den Flaggen beider Länder an einem Tisch relativ weit voneinander entfernt. Nach russischen Angaben soll bei dem Gespräch zwischen Merkel und Putin in Deauville ein Plan auf dem Tisch liegen, um die schwerste Sicherheitskrise in Europa nach Ende des Kalten Krieges zu entschärfen. Aus deutschen Regierungskreisen wurde dies zunächst nicht bestätigt.
Es wurde erwartet, dass Merkel an ihrem Kurs festhält und Putin Verhandlungsbereitschaft signalisiert, ihm aber auch deutlich macht, dass der Westen zu weiteren Sanktionen bereit ist, falls er in der Ukraine-Krise nicht einlenkt. Merkel hatte seit der international scharf kritisierten Annektierung der Krim durch Russland vor knapp drei Monaten immer wieder mit Putin telefoniert, ihn aber nicht mehr persönlich getroffen.
In Colleville-sur-Mer begann unterdessen eine Gedenkzeremonie mit Reden von US-Präsident Barack Obama und dem französischen Präsidenten François Hollande. Mit Spannung wurde erwartet, wie Putin bei den Feierlichkeiten 70 Jahre nach der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg im Kreis der westlichen Staats- und Regierungschefs aufgenommen wird. Ob es am Rande auch zu einem Gespräch des Kremlchefs mit Obama kommen wird, war zunächst unklar. Am Vorabend hatte Putin in Paris bereits den britischen Premier David Cameron getroffen. Im Anschluss war Putin von Hollande empfangen worden.

+++ Obama: "Wir sind Euch für immer dankbar" +++

US-Präsident Barack Obama ist am amerikanischen Soldatenfriedhof von Colleville-sur-Mer angekommen. Dort nimmt er gemeinsam mit dem französischen Staatschef François Hollande an einer
US-französischen Gedenkfeier teil. Auf dem Soldatenfriedhof liegen rund 10.000 US-Soldaten begraben. Der US-Präsident verneigte sich vor den Kriegsveteranen des D-Days und rief ihnen zu: ."Wir sind Euch für immer dankbar!" Die Soldaten von damals hätten Demokratie und Freiheit verteidigt. "Dieser Anspruch steht auf diesem Strand in Blut geschrieben", sagte Obama unter dem Applaus Tausender Zuhörer.

+++ Hollande erinnert an zivile Opfer +++

Frankreichs Staatschef François Hollande.
Frankreichs Staatschef François Hollande.Foto: dpa

Frankreichs Präsident François Hollande trifft mit dem Hubschrauber an der Gedenkstätte in Caen in der Normandie ein - die Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten haben begonnen. Hollande legt an der Gedenkstätte einen Blumenkranz nieder und spricht anschließend mit Zivilisten, die vor 70 Jahren den "D-Day" und die anschließenden Kämpfe in Caen erlebt haben. Bei der Schlacht an der nordfranzösischen Küste gab es nach der Landung rund 20 000 Opfer unter den Zivilisten. Erst am 12. September 1944 war die Normandie von den Nazis befreit. Bei den Gedenkfeiern an diesem Freitag solle an alle Zivilisten und Soldaten erinnert werden, sagt Hollande.

+++ Mehrheit der Deutschen gegen Isolierung Russlands +++

Auf den Stufen des Elysée-Palastes in Paris: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Auf den Stufen des Elysée-Palastes in Paris: Russlands Präsident Wladimir Putin.Foto: AFP

Mit Blick auf die Ukraine-Krise sind neun von zehn Bürgern in Deutschland (89 Prozent) der Meinung, dass die westlichen Staaten weiterhin im Gespräch mit Russland bleiben sollen. Nur neun Prozent sind der Auffassung, dass Moskau so weit wie möglich isolieren werden sollte, wie aus einer am späten Donnerstag veröffentlichten Umfrage des ARD-Deutschlandtrends hervorgeht.
Dabei hat sich die Stimmung gegenüber Russland etwas verbessert, wenngleich auf niedrigem Niveau: 21 Prozent halten Russland laut der Anfang der Woche durchgeführten Befragung für einen vertrauenswürdigen Partner, das ist ein Anstieg um sieben Prozentpunkte gegenüber Anfang Mai. 74 Prozent sind hingegen der Auffassung, dass man Russland nicht vertrauen könne.

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt den russischen Präsidenten Wladimir Putin, Frieden und Freiheit in Frage zu stellen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt den russischen Präsidenten Wladimir Putin, Frieden und Freiheit in Frage zu stellen.Foto: AFP

In der Nato wird momentan darüber diskutiert, wie die osteuropäischen Mitgliedsländer vor möglichen Bedrohungen aus Russland geschützt werden können. Eine verstärkte Truppenpräsenz der Nato in osteuropäischen Ländern lehnen drei von vier befragten Bundesbürgern ab. Lediglich 21 Prozent würden sie befürworten.

+++ Merkel warnt Putin: Recht des Stärkeren gilt nicht +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat kurz vor einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin unter Hinweis auf die Ukraine-Krise gewarnt, Frieden und Freiheit könnten rasch in Frage gestellt werden. Der Jahrestag der Alliierten-Landung in der Normandie 1944, der 6. Juni, solle dazu beitragen, "unser Engagement für den Erfolg Europas fortzusetzen", heißt es in einem Beitrag der Kanzlerin für die Tageszeitung "Ouest-France". Das Recht müsse in Europa den Vorrang haben - und nicht das Recht des Stärkeren.
Merkel wird mit Putin, mit dem sie wegen der Ukraine-Krise in den vergangenen Wochen wiederholt telefonierte, am Freitagmorgen vor den Haupt-Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag der Landung in der Normandie zusammentreffen.

"Ouest-France" veröffentlicht in seiner Freitagsausgabe mehrere Beiträge europäischer Politiker zu dem Anlass. Der französische Präsident François Hollande betont dort, der 6. Juni erinnere daran, dass "nichts jemals endgültig erreicht" sei, sondern dass es immer Rückschritte geben könne. So seien überall die Werte und Prinzipien der UN-Charta bedroht. Die Staaten seien immer aufs Neue verpflichtet zu prüfen, ob sie im Rahmen des Völkerrechts zum Handeln verpflichtet seien.

Weitere Beiträge in der "Ouest-France"-Ausgabe stammen vom polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski, dem britischen Premierminister David Cameron, dem kanadischen Premierminister Stephen Harper und US-Außenminister John Kerry. (mit dpa/AFP)

Autor

79 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben