• "Da hab ich erst mal Verteidigungsministerium gegoogelt.": Wie wird man eigentlich Politiker?

"Da hab ich erst mal Verteidigungsministerium gegoogelt." : Wie wird man eigentlich Politiker?

Politiker haben ein schlechtes Image. Trotzdem gibt es so viele. Wo kommen die her? Ursula von der Leyen musste zum Beispiel erstmal ihr Ministerium googeln. Eine Spurensuche.

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Politik ist nicht uncool: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei der Arbeit - hier am 23.09.2016 im Irak, zwischen kurdischen Peschmerga und Bundeswehr-Soldaten.
Politik ist nicht uncool: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei der Arbeit - hier am 23.09.2016 im Irak, zwischen...Foto: Michael Kappeler/dpa

Mit der Politik ist es so, dass praktisch niemand von Anfang an da rein will. Jungs möchten Pilot werden oder Nationaltorwart, Mädchen Pilotin oder Spielerfrau... Egal, Sie ahnen, worauf ich hinaus will, kein junger Mensch strebt von sich aus direkt in die Politik, ein paar besonders unangenehme Karrieristen in der Jungen Union eventuell mal ausgenommen.

Dennoch zeigt die empirische Betrachtung der Welt, dass es sehr viele Politiker gibt, sogar mehr als genug, wie manche meinen. Wo kommen die her? Es spricht einiges dafür, dass die Politik von sich aus auf die Menschen zugeht und zu sprechen beginnt: „Du da“, sagt sie mit festem Ton, „machst jetzt mit bei mir. Fünf Jahre Protokoll im Ortsverein, dann sehen wir weiter.“

Belege? Haben wir von ganz oben. Ursula von der Leyen hat soeben auf einem Job-Symposium berichtet, wie sie Bundesverteidigungsministerin wurde. Das lief ganz einfach so, dass die Kanzlerin sagte: Ursula, willst du Bundesverteidigungsministerin werden? Ja, rief sie aus, klar, toller Job! Jetzt kommt’s aber: Danach ging sie heim, „und da hab ich erst mal Verteidigungsministerium gegoogelt“. Habe ich jetzt testhalber auch gemacht: 678.000 Ergebnisse. Welche wählt man da aus?

Das Wichtigste steht im Internet

Gottlob gibt es dort ein paar unabhängige Bewertungen des Ministeriums, durchschnittlich satte 4,8 von fünf Sternen: „Kann ich nur empfehlen“ schreibt Christoph K. aus B., allerdings lange nach der Leyen-Berufung. Dennoch dürfen wir vermuten, dass das 2013 nicht viel anders aussah und der Ministerin die Entscheidung leicht gemacht hat.

Doch da sind noch mehr Fakten auf sie eingeprasselt: „Das Ministerium ist das für die militärische Verteidigung und alle Angelegenheiten der Bundeswehr zuständige Ministerium der Bundesregierung“ steht bei Wikipedia, und da müssen Ursula von der Leyen erste Bedenken gekommen sein: Die Bundeswehr? Ach du Schande. Sind das nicht diese unregierbaren Haudraufs mit den Handgranaten? Experten im Tarnen, Täuschen und Verpissen?

Dann war da noch etwas: IBuK. „Heißen so bei der Bundeswehr die elektronischen Bücher?“ fragte die frischgebackene Ministerin, und ihr Adjutant antwortete: „Nein, Frau Ministerin, das sind Sie, die Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt“. Und die Ministerin lächelte: „Ich kann jetzt schießen lassen, wohin ich will?“

Da war sie mit ihrer Entscheidung zufrieden und hat sich gefragt, warum sie nicht schon immer IBuK werden wollte.

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