Dänemark : Unabhängig mit Bodenschätzen

Grönlands Sozialdemokraten gewinnen die Wahl auf der derzeit noch halbautonomen Insel. Die Partei will Geld von ausländischen Rohstoffförderern.

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Reich dank Klimawandel. Weil die Gletscher Grönlands, im Bild der Ilulissat-Gletscher, schmelzen, könnten bald Bodenschätze gefördert werden.
Reich dank Klimawandel. Weil die Gletscher Grönlands, im Bild der Ilulissat-Gletscher, schmelzen, könnten bald Bodenschätze...Foto: AFP

Fische und Eismeergarnelen sind Grönlands derzeit wichtigste Exportgüter. Nach den Vorstellungen der Politiker auf der nach Unabhängigkeit von Dänemark strebenden Insel soll dieses Angebot bald ergänzt werden: um Bodenschätze, die in Grönlands eisfreien Küstenstreifen lagern und zur Finanzierung der Souveränität beitragen sollen. Am Dienstag hat die Sozialdemokratin Aleqa Hammond Grönlands Wahlkampf um den Umgang mit den gigantischen Bodenschätzen souverän gewonnen. Die künftige Regierungschefin will nun mehr von Investoren verlangen, aber auch das Abbauverbot für Uran und Seltene Erden lockern.

„Grönland muss den Ressourcen-Sektor entwickeln“, sagte Jorn Skov Nielsen, bisher Vizeminister für Wirtschaft, Arbeit und Bodenschätze, als er dieser Tage auf der Bergbaumesse PDAC in Toronto den Rohstoffreichtum der Insel einem internationalen Publikum präsentierte. Will sich Grönland, dessen Budget jetzt noch zu annähernd der Hälfte durch Zuwendungen aus Kopenhagen finanziert wird, von Dänemark abnabeln, müssen Einnahmequellen erschlossen werden. Bislang basiert die Wirtschaft auf wenigen Pfeilern. Von den Exporteinnahmen entfallen rund 80 Prozent auf den Verkauf von Fisch und Garnelen. Tourismus ist ein weiterer wichtiger Einnahmefaktor, während auf den Bergbau bislang nur ein Prozent entfällt. „Wir müssen Mineralien, Öl und Gas fördern“, erklärt Nielsen.

Grönland setzt dabei auf Leute wie Jonathan Downes. Er ist Direktor des australischen Unternehmens Ironbark, das 2015 im Norden Grönlands am Citronen-Fjord eine Zink-Blei-Mine in Betrieb nehmen will. Mit der Zitrusfrucht hat der Fjord am Rand des grönländischen Eisschilds aber nichts gemein. Den Namen erhielt er zur Erinnerung an einen dänischen Widerstandskämpfer gegen die deutsche Okkupation im Zweiten Weltkrieg, Jorgen Haagen Schmith, der den Decknamen „Citronen“ führte. Downes glaubt, dass der Zinkpreis anzieht, wenn es 2015/2016 zu Engpässen beim Angebot kommen sollte. „Dann sind wir da.“

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und die Deutsche Rohstoffagentur DERA haben in einer Studie das „mineralische Rohstoffpotenzial Grönlands“, zusammengestellt – von Metallen wie Gold, Platin, Silber, Kupfer, Seltenen Erden, Molybdän, Wolfram und Chrom über Industrieminerale wie Kryolit, Graphit und Olivin bis hin zu Edel-, Schmuck- und Naturwerksteinen. Grönland verfüge über ein „auch im Weltmaßstab“ sehr großes Rohstoffpotenzial und dürfte langfristig zu einem wichtigen Rohstofflieferanten werden.

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