Politik : Dänemark

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Jonas Bengtsson,


Generation 25



Ich bin in den Achtzigern aufgewachsen. Meine größte Angst war ein Atomkrieg, ich wusste nicht, ob ich noch bis nach Hause käme, ehe alles in einem brennenden Inferno verschwinden würde. Ich dachte an meine Katze. Anfang der Neunziger brach die Sowjetunion zusammen. Es gab den Golfkrieg, aber der war weit weg, wie etwas aus einem Film, wie eine Zeichentrickserie. Clevere Bomben regneten auf weniger clevere Iraker herab. Dann war Frieden. Frieden in Europa. Vielleicht nicht in der übrigen Welt, aber in Europa. Vielleicht nicht auf dem Balkan, aber im übrigen Europa. Und der Balkan war weit weg. Die Geschichte wurde für tot erklärt. Die Zeiten waren gut, wir konnten uns darauf konzentrieren, die Natur zu zerstören. Wir konnten Batterien in den Mülleimer werfen und ein schlechtes Gewissen bekommen. Dann kam 9/11, heute nur Zahlen, aber alle wissen, was ich meine. Wie null acht fünfzehn. Und während es vor der eigenen Tür noch friedlich war, benutzten Menschen in der Hauptverkehrszeit nicht mehr den Bus. Ich denke an die Zukunft. Kann nicht anders, wenn ich meinen Sohn auf dem Fußboden im Wohnzimmer spielen sehe.

Zukunft in Europa. Europas Zukunft. Seine Zukunft. Ich hoffe, wir werden in 30 Jahren vom moderaten Europa sprechen. Dem säkularen Europa. Dem toleranten Europa. Ich muss an die Zukunft glauben. Hoffen. Um seinetwillen. Um meinetwillen.

Der Autor, Jahrgang 1976, ist Schriftsteller. Übersetzt aus dem Dänischen von Dr. Sigrid Engeler.


Lykke Friis,
Generation 50

Europa hat in allererster Linie Frieden und Sicherheit geschaffen. Die große Herausforderung für die EU heute besteht darin, dass diese Resultate zusammen mit dem Binnenmarkt als gegeben hingenommen werden können. Der jungen Generation fehlt es ganz einfach an einer klaren Antwort auf die Frage - Europe, what's next?

Die Autorin, Jahrgang 1969, ist seit 2006 Pro-Rektorin an der Unviversität von Kopenhagen. Übersetzt aus dem Dänischen

 

Uffe Ellemann Jensen,
Generation 75

Mein Europa ist ein Kontinent der Diversität – und der Stabilität. Dies wird innerhalb einer Struktur der Zusammenarbeit erreicht – in der Offenheit, gegenseitiger Respekt und Rechtsstaatlichkeit die Grenzen der Exzentrik festlegen. Die Europäische Union ist das erste erfolgreiche Beispiel dafür, wie das geht. Darum ist mein Europa der Zukunft auf den grundlegenden Elementen aufgebaut, die die Römischen Verträge geschaffen haben: Die Vereinigung der wirtschaftlichen Kräfte dient als Mittel zur Schaffung von Freiheit und Frieden. Wobei das Mittel nicht mit dem Zweck verwechselt wird.

Ich möchte eine Europäische Union von Island im Nordwesten bis zur Türkei im Süden und zur Ukraine im Osten. In der Mittel und Wege gefunden wurden, eine solche Union in all den praktischen Fragen funktionsfähig zu machen, die den Alltag ihrer Bürger bestimmen – um das Gefühl eines gemeinsamen Ziels entstehen zu lassen, den grundlegenden Klebstoff, der uns zusammenhält.

Ein ungeteiltes und freies Europa. Danach haben wir uns während des Kalten Krieges gesehnt. Jetzt ist es in Reichweite. Aber wir werden nur dann Erfolg haben, wenn wir alle akzeptieren, dass wahre Freiheit nur möglich ist, wenn wir unserem Nachbarn die gleichen Rechte gewähren, wie wir sie von ihm fordern. Das war immer Europas Unheil – dass wir dazu nicht bereit waren. Aber dank der juristischen Struktur der Europäischen Union ist es nunmehr innerhalb eines größeren Kooperationsrahmens möglich. Und die Erweiterung der Union in den Jahren 2004 und 2007, um 12 neue Mitglieder, hat Hoffnungen für die Zukunft geweckt. Darum sollten sich die Europäer nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen.

Der Autor, Jahrgang 1941, war unter der konservativen Regierung von Poul Schlüter 1982 bis 1993 dänischer Außenminister. Von 1995 bis 2000 stand er der Europäischen liberalen demokratischen und Reformpartei, einem Zusammenschluss liberaler Parteien in Europa, vor. Übersetzt aus dem Englischen von Karin Ayche.

 

Niels Ersbøll

Die EU ist für mich in erster Linie ein Friedensprojekt. Ein Projekt, gegründet auf Solidarität zwischen Ländern und Bürgern, das ein friedlich zusammenarbeitendes Europa schafft.

Eine Hoffnung, dass sich der politische Wille der europäischen Staatsmänner, denen wir es verdanken, dass es heute die Europäische Union gibt, wieder geltend machen wird. Die Herausforderungen, vor denen die Union steht, sind größer denn je, sowohl was die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union, als auch die Rolle der EU in der Welt angeht.

Eine Hoffnung, dass die Union an dem Prinzip festhalten wird, nach welchem jedes europäische Land, das sich der Grundlage der Union anschließt, sein Recht auf volle und gleichberechtigte Mitgliedschaft erhält, und damit ein Beispiel zur Nachahmung in anderen Teilen der Welt wird. Eine Europäische Union von 27 und noch mehr Mitgliedstaaten macht es notwendig, Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln, die in allen Regierungen Solidarität und Willen zum Kompromiss sichern. Andernfalls besteht das Risiko, dass sich die Union aufspalten wird.

Der Autor, Jahrgang 1926, war Generalsekretär des EU-Ministerrats. Aus dem Dänischen von Dr. Sigrid Engeler.

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