Politik : Dänen drucken Karikaturen zum Holocaust

Iranischer Wettbewerb nach Mohammed-Bildern

André Anwar

Iranischer Wettbewerb nach Mohammed-Bildern

Stockholm - Zum Entsetzen jüdischer Gemeinden in der ganzen Welt hat die linksliberale dänische Tageszeitung „Information“ am Wochenende sechs Karikaturen zum Holocaust veröffentlicht. Sie stammen aus dem iranischen Zeichnerzentrum in Teheran, das bis zum Ende der Woche 200 diesem Thema gewidmete Karikaturen aus 61 Ländern ausstellt.

Die provokante iranische Initiative hat ihren Ursprung im dänischen Mohammed-Karikaturenstreit. Während im Februar dänische Flaggen im Nahen Osten brannten und Skandinavier evakuiert werden mussten, weil die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht hatte, schrieb die iranische Tageszeitung „Hamshahris“ einen Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb aus und unkte: „Nun wollen wir sehen, wie frei westliche Medien wirklich sind und ob sie auch unsere Karikaturen veröffentlichen werden.“

Die linksliberale Zeitung „Information“ hat eine Auflage von 20 000 Exemplaren, überwiegend akademisch gebildete Leser und eine antifaschistische Vergangenheit: Im Zweiten Weltkrieg während der deutschen Besetzung fungierte sie als verbotene Nachrichtenagentur der Widerstandsbewegung und veröffentlichte noch in der Nacht des deutschen Abzugs 1945 die erste freie dänische Zeitung.

Chefredakteur Palle Weis hält die Karikaturen für geschmacklos. „In einer Redaktion stellt man sich immer die Frage: Ist es wirklich notwendig, über dies oder jenes zu berichten? Und wir hätten es auch ohne Bilder machen können, aber nun können die Leser die Sache selber beurteilen“, begründet er den Abdruck: „Es ist der journalistische Auftrag, Entwicklungen einer Sache zu dokumentieren, die ihren Ursprung in Dänemark hatte.“ Neben einer Reportage über den Zeichenwettbewerb stehen ein kritischer Leitartikel des Chefredakteurs und ein Interview mit dem leitenden Rabbi der jüdischen Gemeinde in Dänemark. Die Zeitung gibt die Bilder nicht weiter – auch nicht in den eigenen Internetauftritt.

Die meisten der 200 Zeichnungen im Teheraner „Kulturzentrum für palästinensische Märtyrer“ sind antisemitisch, antiisraelisch oder antiamerikanisch. Aber nur wenige stellen infrage, dass der Holocaust überhaupt stattgefunden hat – zum Ärger der iranischen Initiatoren, die sich hier den Hauptfokus gewünscht hatten. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnet den Holocaust als „Mythos“.

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