Dänische Zeitung : Dänische Zeitung entschuldigt sich für Karikaturen

Karikatur-Streit: Die dänische Zeitung "Politiken" entschuldigt sich bei Muslimen für verletzte Gefühle. Für den Karikaturisten Kurt Westergaard ist die Entschuldigung ein „Kniefall" vor den Islamisten.

 André Anwar[Stockholm]
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Proteste in der islamischen Welt gegen die Mohammed-Karikatur. -Foto: pa/dpa

Für den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard ist die Freitagausgabe der Zeitung „Politiken“ ein „Kniefall" vor den Islamisten. Die linksliberale Zeitung hat darin Muslime in einem „Vergleich“ um Entschuldigung für verletzte Gefühle gebeten, weil sie 2008 die Mohammedkarikaturen auszugsweise nachdruckte. 2005 hatte die rechtsliberale „Jyllands Posten“ die Karikaturen abgedruckt. Sie wollte damit nach eigener Darstellung kritisieren, dass sich Künstler und Schriftsteller in Dänemark nicht mehr getraut hätten, Kritisches über den Islam zu verbreiten. Es folgten gewalttätige Demonstrationen gegen die Karikaturen sowie ein Boykott dänischer Waren. Menschen kamen bei den Protesten ums Leben und dänische Botschaften wurden beschädigt. 2008 war ein konkreter Mordplan auf den Karikaturisten Kurt Westergaard aufgedeckt worden. Danach hatte auch „Politiken“ seine Zeichnung, die den Propheten mit einer Bombe im Turban darstellt, nachgedruckt. Erst vor wenigen Wochen ist Westergaard in seinem Haus von einem Mann mit einer Axt angegriffen worden.

Die Entschuldigung gilt nach Darstellung von „Politiken“ nur für dieses eine Mal. Einem erneuten Nachdruck der Mohammedkarikaturen stehe nichts im Wege, betont die Zeitung. Offenbar hat sie den „Vergleich“ mit dem saudi-arabischen Anwalt, Faisal Yamani, geschlossen, der im Namen von acht Muslimverbänden aus Ägypten, Libyen, Katar, Jordanien, Saudi-Arabien, Libanon, den Palästinensergebieten und Australien an elf dänische Tageszeitungen herangetreten war. Er hatte jeweils eine Entschuldigung und die Zusage verlangt, die Karikaturen nicht mehr nachzudrucken.

Bereits 2006 entschieden dänische Richter, dass der Erstdruck in „Jyllands Posten“ rechtens war. Alle anderen Zeitungen ignorierten den Anwalt deshalb. „Politiken“ begründete den Vergleich mit dem Argument, dass das Verhältnis zu den Muslimen befriedet werden solle. Ihr Chefredakteur Toeger Seidenfaden wird nun von der populären Chefin der rechten Volkspartei, Pia Kjaersgaard, und Führungsmitgliedern des umstrittenen Pressefreiheitsverbandes aber auch von Westergaard als Landesverräter und Pressefreiheitsverrräter beschimpft. Er will aber mit seiner sehr eingeschränkten Entschuldigung auf etwas anderes hinaus. Im einst toleranten Dänemark verhärtet sich die Stimmung zwischen armen Muslimen, oft Flüchtlingen, und den im Land geborenen, durchschnittlich wohlhabenderen Bürgern seit Beginn der indirekten Regierungsbeteiligung der rechtsextremen Dänischen Volkspartei 2001. Allein „Politiken“ hat sich der ausländer- und muslimfeindlichen Stimmung noch entgegengestellt.

Obwohl die Mehrheit der Muslime als auch die der eingetragenen Protestanten ihre Religion gar nicht praktizieren, traten im vergangenen Jahrzehnt die Muslime als verhasste Gruppe an die Stelle der „Ausländer“, von denen man fürchtete, sie wollten den „Dänen“ etwas wegnehmen. Auch Sozialdemokraten, Linkspartei und Bürgerliche sprangen auf den Anti-Islam-Zug auf. Alle hofften, vergeblich, Wähler von der immer erfolgreicheren Dänischen Volkspartei abzuwerben. Nur noch die „Venstre“, eine moderat linksliberale kleine, aber im Parlament vertretene Partei, fährt einen betont einwanderungsfreundlich Kurs.

Die Anforderungen an Einwanderer wurden extrem verschärft und die Zuwanderungsrestriktionen gehören bis in die Universitäten hinein zu den weitestgehenden Europas. 90 Prozent der ausländischen Studenten haben das Land nach der Einführung sehr hoher Studiengebühren wieder verlassen. Dänemark nimmt trotz einem Jahrzehnt mit Vollbeschäftigung kaum Flüchtlinge auf. Selbst die knapp 100 lebensbedrohten Dolmetscher der am Irakkrieg beteiligten dänischen Truppen, die ihnen Sicherheit versprochen hatten, sollten zunächst abgewiesen werden. Dänische Frauen müssen immer öfter nach Südschweden ziehen, wenn sie ausländische Männer heiraten – die „Liebesflüchtlinge von Malmö“. mit dpa

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