Dalai Lama : Um der lieben Wirtschaft willen

Sarkozy trifft den Dalai Lama nicht und wird deswegen heftig kritisiert. Zwölf Tage besucht das geistliche Oberhaupt der Tibeter Frankreich - und sieht zumindest Carla Bruni.

Hans-Hagen Bremer
Dalai
Dalai Lama -Foto: AFP

ParisEin Empfang durch die Hintertür im Senat und eine Begegnung mit Carla Bruni, der Frau von Präsident Nicolas Sarkozy, das ist alles, was dem Dalai Lama während seines Aufenthalts in Frankreich an offizieller Aufmerksamkeit zuteilwird. Umso größer ist die öffentliche Anteilnahme. Trotz oder gerade wegen dieses „Minimaldienstes“, wie „Libération“ die Behandlung des geistlichen Oberhaupts der Tibeter im Heimatland der Menschenrechte nennt, hat dessen zehnter Besuch in Frankreich eine heftige Kontroverse ausgelöst. Nicht nur die linke Opposition wirft Nicolas Sarkozy „Feigheit“ vor Peking vor, auch im konservativen Regierungslager erhebt sich Protest gegen die „Selbstzensur“ gegenüber China.

Der Dalai Lama war am Montag zu einem seit langer Zeit vorbereiteten zwölftägigen Besuch in Paris eingetroffen. In dessen Verlauf stehen Treffen mit der buddhistischen Gemeinde, der mit etwa 700 000 Mitgliedern viertgrößten Religionsgemeinschaft Frankreichs, Tempeleinweihungen sowie im Internet übertragene Lehrveranstaltungen auf dem Programm. Zunächst hatte auch Sarkozy eine Begegnung mit dem Dalai Lama in Aussicht gestellt. Doch von der war keine Rede mehr, nachdem Chinas Botschafter in Paris „schwerwiegende Konsequenzen“ für die bilateralen Beziehungen angedroht hatte. Der Dalai Lama habe gar nicht um einen Termin nachgesucht, hieß es nun. Kritiker belehrte Sarkozy bei seinem Besuch zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking, sie sollten sich „nicht mehr als Dalai Lama aufführen als der Dalai Lama selbst“. An seiner Stelle macht nun Präsidentengattin Carla Bruni dem Friedensnobelpreisträger kommende Woche bei einer Tempeleinweihung die Aufwartung. Auf chinesischen Druck heruntergestuft wurde auch der Empfang, den die parlamentarische Freundschaftsgruppe Frankreich-Tibet dem Dalai Lama heute im Senat bereitet.

Eine „schockierende Inszenierung“ nannte ein Sprecher der oppositionellen Sozialisten die „pseudo-diplomatische Mission“, mit der der Präsident seine durch kein demokratisches Amt legitimierte Frau vorschicke. Der konservative Abgeordnete Lionel Luca verglich Sarkozys Haltung gegenüber China sogar mit dem „Geist von München“, an den in Frankreich oft in Anspielung an die Kapitulation vor Hitler 1938 erinnert wird. „Nur das Zittern um große Aufträge erklärt unsere Feigheit.“

Dass die Geschäfte mit China für Paris vorrangig sind, gab der Vizechef der Regierungspartei UMP und frühere Premier Jean-Pierre Raffarin unumwunden zu. Er hatte Sarkozy nach Peking begleitet und war bei dessen Gespräch mit Präsident Hu Jintao dabei, in dessen Folge ein Vertrag zwischen dem französischen Stromkonzern EdF und dem chinesischen Nuklearunternehmen CGNPC über den Betrieb zweier Kernreaktoren unterzeichnet wurde. „Zwischen beiden Ereignissen besteht ein Zusammenhang“, sagte Raffarin.

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