Politik : Damit Berlin fliegt

Von Gerd Appenzeller

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Mit dem Flughafen Berlin Brandenburg International, für den morgen der erste Spatenstich erfolgen soll, ist es wie mit so vielem, was in Berlin in den letzten anderthalb Jahrzehnten geschah und auch nicht geschah. Die ersten Planungen wurden von größenwahnsinnigen Wachstumsprognosen in luftige Höhen getragen. Dann hat man gestritten, vor Gericht und anderswo, und darüber Jahre verloren. Jahre, in denen München, Frankfurt und selbst Leipzig still und beharrlich umsetzten, worüber in Berlin geredet wurde. Noch immer schwebt eine Beschwerde gegen das Projekt beim Bundesverfassungsgericht. Ebenfalls juristisch versuchten private Investoren, den Staat über den Tisch zu ziehen und denkbare Verluste zu sozialisieren. Zu guter Letzt ist die öffentliche Hand nun der Bauherr, wenn am Dienstag endlich das Startsignal gegeben wird. In fünf Jahren sollen die ersten Maschinen von BBI aus starten und dort landen können.

Berlin braucht diesen Flughafen, denn ohne ihn werden wichtige Wachstumsimpulse ausbleiben. Nur wer die großen, neuen Flughäfen Europas nicht kennt, wer ihre moderne Funktionalität nie erlebt hat, wer nicht beobachten konnte, wie sich um sie herum ein Unternehmen nach dem anderen ansiedelt, kann für einen Verzicht auf den Ausbau Schönefelds sein und stattdessen einen weiteren Betrieb in Tegel oder Tempelhof fordern. Was für ein paar wohlhabende Leute eine nette Spielerei sein mag – eine Landung mitten in der Stadt – hat mit dem Gedeihen Berlins selbst und dem Schutz der Innenstädte vor Fluglärm nur wenig zu tun. Wenn BBI bis in fünf Jahren auf Straße und Schiene, wie versprochen, angebunden sein wird, ist er so schnell erreichbar wie alle die Flughäfen in München, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart auch.

Ist BBI zu groß? Nein. Bislang waren alle neu gebauten Airports schon kurze Zeit nach ihrer Inbetriebnahme zu klein. Sind die Wege künftig zu lang? Sie werden länger, weil die Dimensionen größer werden. So ideal wie in Tegel kann man heute leider nicht mehr bauen. Aber unzumutbar werden die Wege nicht sein. Es sieht auch nicht so aus, als hätten die künftigen Betreiber neuere Entwicklungen verschlafen. Für die Bedürfnisse der Billig-Airlines wurde umgeplant. Ob man sich auf den Super-Airbus A 380 hätte einrichten müssen, ist durchaus strittig. Es zeichnen sich auch Entwicklungen zu nicht so gewaltigen Flugzeugen mit großer Reichweite ab, für die Berlin genau richtig dimensioniert wäre – für Passagiere, die ohne Umsteigen auf direktem Weg in die attraktive Millionenstadt gelangen könnten.

Eine wenig glückliche Hand haben die künftigen Betreiber von BBI und die hinter ihnen stehende Politik hingegen im Umgang mit der Öffentlichkeit gehabt. Mangelnde Transparenz in der Geschäftspolitik und Angst vor nochmaligen Verzögerungen haben die Gerüchte um Fehlplanungen angeheizt. Warum BBI gleichzeitig so aberwitzig teuer und doch so unpraktisch an das Schienennetz angebunden werden soll, hat die Geschäftsführung bis heute nicht verständlich machen können. Auch die Sorgen der heimischen Bauwirtschaft, sie würde bei der Auftragsvergabe leer ausgehen, weil nur Großkonzerne eine Chance haben, sind nicht wirklich ausgeräumt. Davon abgesehen, ist der morgige Tag nicht der der Bedenkenträger. Die Region bekommt mit dem neuen Flughafen eine einzigartige Entwicklungschance. Sie zu nutzen, ist wichtiger als die ewige Lamentiererei.

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