• "Damit wird Rüttgers wenig neue Wähler gewinnen" - Wahlforscher Dieter Roth kritisiert die Kampagne

Politik : "Damit wird Rüttgers wenig neue Wähler gewinnen" - Wahlforscher Dieter Roth kritisiert die Kampagne

Herrn Rüttgers Postkartenaktion gegen die Gre

Dieter Roth (61) ist Leiter der Forschungsgruppe Wahlen in Mannheim, die Wählerumfragen betreibt und Wahlanalysen macht.

Herrn Rüttgers Postkartenaktion gegen die Green Card ist eine Kopie der CDU-Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft in Hessen. Wird er den gleichen Erfolg wie Herr Koch haben?

Das ist nicht anzunehmen. Dieses Thema trennt nicht wirklich die Parteilager. In der SPD-Anhängerschaft gibt es eine kleine Mehrheit, die den Green-Card-Vorschlag befürwortet, bei den Grünen-Anhängern ist die Mehrheit etwas größer und bei den Sympathisanten von Union und FDP gibt es eine kleine Mehrheit dagegen. Man folgt also den Parteilinien, aber nicht mit Vehemenz. Bei Arbeitern ist die Ablehnung deutlich, bei leitenden Angestellten und Beamten haben sie eine klare Befürwortung des Vorschlags. Ähnliche Differenzen finden Sie bei den Altersgruppen: Die Jungen finden den Vorschlag mehrheitlich gut, die Älteren sind eher dagegen.

Hat sich Herr Rüttgers ausgerechnet, das er mit alten, einfach gebildeten Menschen siegen kann?

Was auch immer er sich ausgerechnet hat: Mit diesem Thema wird er wenig politisch nicht festgelegte Menschen gewinnen.

Was ist dann der Unterschied zur hessischen Unterschriftenkampagne, die sehr viele Menschen mobilisiert hat?

Die Kampagne in Hessen hat die latente Ausländerfeindlichkeit in der Bundesrepublik angesprochen, eine viel grundsätzlichere Frage. Die Parteilager waren auch viel stärker getrennt damals. Bei der Green Card dagegen geht es um eine geringere Zahl von Menschen, bis zu 20 000, und nur um eine Branche, in der Arbeitskräfte fehlen.

Geht es nicht um den symbolischen Wert?

Das Thema mag einen hohen symbolischen Wert haben, aber eine hohe Wichtigkeit in den Wählerbefragungen ist bisher nicht zu erkennen. Auch die Alternative, Geld nicht für ausländische Spezialisten auszugeben, sondern in die Bildung zu stecken, kann so nicht überzeugen: Die Zeiträume, um die es geht, sind ganz andere. So einfach lassen sich die Wähler nicht bluffen.

Ist dies ein Trend zu "Bauchthemen" bei den großen Parteien?

"Bauchthemen" sind für grobe Auseinandersetzungen durchaus brauchbar. Aber in der Regel scheitern die großen Parteien. Denn wenn latente Ausländerfeindlichkeit angesprochen wird, profitieren in der Regel die Rechtsaußen-Parteien. Doch diese spielen derzeit keine Rolle, und daher rechnet sich die Union da vielleicht Chancen aus. Das Gespräch führte Andrea Nüsse

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