Politik : Danziger Rückkehrer

Thomas Roser

Polens ins Abseits geratener Volkstribun kann von der Politik nicht lassen. Obwohl Lech Walesa bei den letzten Präsidentschaftswahlen im Herbst 2000 nur noch auf 0,8 Prozent der Stimmen kam, bastelt der einstige Chef der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc eifrig an einem politischen Comeback. Er werde "definitiv" bei den Präsidentschaftswahlen 2005 kandidieren, kündigte der gelernte Elektriker am Dienstag in einem Interview mit der Boulevard-Zeitung "Super-Express" an.

Wegen seiner "vielen Feinde" glaube er zwar nicht, den Urnengang gewinnen zu können, bekennt der Mann, der als Staatschef zwischen 1990 bis 1995 mit seiner selbstherrlichen Amtsführung auch viele seiner Solidarnosc-Mitstreiter nachhaltig verprellte: "Aber falls ich erneut Präsident werde, könnte ich noch mehr für Polen tun."

Seinen sozialdemokratischen Nachfolger Aleksander Kwasniewski hält Walesa für einen "schrecklichen Präsident", der nichts für Polen tue: "Sie mögen ihn im Westen, weil er im Gegensatz zu mir nie auf den Tisch schlägt." Walesa selbst fordert einen "Marshall-Plan" für die jungen Demokratien in Osteuropa. "Es würde reichen, wenn der Westen dafür die Hälfte des Geldes gibt, das er durch konzeptlose Hilfen an Russland verschleudert hat", hatte er im Juli 2000 in seiner Rede zum 20. Jahrestag der Solidarnosc-Gründung gesagt.

Für ihn sei seine Präsidentschaft die "schrecklichste Zeit" seines Lebens gewesen, bekennt der 59-Jährige, der vor allem in den USA als fürstlich dotierter Gastredner gefragt ist: "Jetzt lebe ich besser, kann tun, was ich will - und verdiene eine Menge." Obwohl sich Walesa nachwievor hartnäckig einem Händedruck seines langjährigen Widersachers Kwasniewski verweigert, schließt er eine Versöhnung nach dessen Abtritt 2005 nicht aus. Als Staatschef könne er Kwasniewski keine Hand geben, weil er die Chancen des Landes ruiniere, so Walesa: Doch wenn der Präsident seine Amtszeit beendet habe, werde er ihm "auf christliche und humane Weise" die Hand drücken.

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