Politik : Das Adam- Prinzip

Von Harald Martenstein

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Eva Hermans Buch „Das Eva-Prinzip“ erscheint heute. Die Eva-Herman-Debatte aber hat es schon einmal gegeben, und zwar 1971. Damals kam Esther Vilars Buch „Der dressierte Mann“ heraus, genau wie das „Eva-Prinzip“ eine Schmähung des Feminismus und ein Lob des traditionellen Frauseins. Damals, 1971, stand die Mehrheit der Medien allerdings auf Vilars Seite, und gegen ihre Widersacherin Alice Schwarzer. Heute ist es genau umgekehrt. Der Mainstream denkt heute profeministisch.

Die Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen. Deswegen kann es, egal, ob man es bedauert oder als Glück empfindet, ein Zurück zum verbindlichen Leitbild „Hausfrau und Mutter“ so wenig geben wie ein Zurück zur Religiosität des 19. Jahrhunderts oder zum Patriotismus der Zeit vor 1933. Ich finde, das ist eher ein Glück. Gleichzeitig aber empfinden viele von uns, den Männern und den Frauen, ein Gefühl der Überforderung. Das ist wohl der empfindliche Punkt, den Herman berührt, und in dem sie nicht ganz unrecht hat. Wir sollen das, was früher arbeitsteilig unter den Geschlechtern aufgeteilt war, jetzt alles gleichzeitig schaffen, jeder und jede einzelne – Beruf, Karriere, Haushalt, familiärer Nestbau, Kinder, Partnerschaft, und so weiter. Um dieses Multileben führen zu können, werden die Kinder oft schon sehr früh wegdelegiert, in die Hände von Betreuungspersonal. Wir reden uns ein, dass kleine Kinder Eltern gar nicht so dringend brauchen. Das könnte ein Irrtum sein, kommt aber unseren Bedürfnissen entgegen. Es gibt halt keine Kinderbewegung, deswegen ist es einfach.

Es sollte möglich sein, sich eine Zeit lang mit ganzem Herzen auf einen Aspekt des Lebens zu konzentrieren, der mit Geldverdienen oder Status nichts zu tun hat, aber viel mit Zukunft, nämlich der Familie. Ohne deshalb an Respekt zu verlieren. Klar, gerne, sagen die Frauen – aber warum sollen immer wir das machen? Männer an den Herd! Sonderbar: Bei der Partnersuche bevorzugen die meisten Frauen karriere- und erfolgsorientierte Männer. Ein Typ mit dem Berufsziel „Hausmann und Vater“ hat bei ihnen viel schlechtere Chancen. Alle Studien ergeben das Gleiche: Frauen lieben Machos. Frauen kriegen Kinder mit Machos. Und Frauen wundern sich, wenn ihr Traummann, der Tiger, nach der Geburt nicht zum Hauskätzchen mutiert. Der Emanzipation des Mannes steht nicht zuletzt die Widersprüchlichkeit weiblichen Verhaltens im Weg.

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