Politik : Das Ausland ist erleichtert

Die Diskretion der internationalen Diplomatie verbietet Reaktionen auf einen Ministerrücktritt, die als Schadenfreude ausgelegt werden könnten.Aber unterhalb der Schwelle offizieller Verlautbarungen hat die Demission von Oskar Lafontaine doch Stimmungen deutlich werden lassen, die von Erleichterung geprägt sind.Die überschwengliche Art, in der der Präsident der Europäischen Zentralbankrat, Wim Duisenberg, die Nominierung von Hans Eichel als Nachfolger Lafontaines begrüßte, war auch eine unausgesprochene, aber deutliche Kritik am bisherigen Amtsinhaber.Äußerungen aus London und Washington liegen in einer ähnlichen Tonlage.Allzusehr hatten Lafontaines Vorstellungen von einer engen internationalen Abstimmung der Finanzmärkte die liberale Grundrichtung der britischen und amerikanischen Währungspolitik konterkariert.Fast wie eine Fahnenflucht wird aber in den Hauptstädten des Kontinents der Rücktritt während der deutschen EU-Präsidentschaft gewertet.Die bittere Konsequenz: In der Schlußphase der Verhandlungen um die Agenda 2000 und die Finanzen der Union hat der Bundeskanzler, selber ein Europa-Neuling, beim Berliner Gipfel keinen ausgewiesenen Fachmann mehr an seiner Seite.

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