• Das Bayerische Rote Kreuz leidet noch heute unter seiner Affäre um Blutkonserven und geschmierte Funktionäre

Politik : Das Bayerische Rote Kreuz leidet noch heute unter seiner Affäre um Blutkonserven und geschmierte Funktionäre

Claudia Lepping

Der jüngste Finanz-Skandal beim Deutschen Roten Kreuz macht letztlich auch die Versuche des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) zunichte, sich von seiner eigenen Schmiergeldaffäre zu erholen. Vom Januar an müssen sich die früheren Geschäftsführer Heinrich Hiedl und Adolf Vogt wegen Betrugs und Bestechlichkeit vor dem Landgericht München verantworten. In der Amtszeit des damaligen BRK-Präsidenten Albert Schmid sollen sie über Jahre hinweg Blutkonserven und andere Produkte überteuert eingekauft haben und von der Herstellerfirma dafür mit 4,4 Millionen Mark geschmiert worden sein. Diese Summe ergibt sich auch aus Sachleistungen wie Autos, Aktien und Reisen, von denen die Angeklagten profitiert haben. Gegen Schmid, der schließlich zurücktrat, wurde ein Verfahren wegen Untreue eröffnet, das aber inzwischen unter ebenso dubiosen Umständen eingestellt worden ist.

Die Affäre zieht politisch Kreise: Das bayerische Justizministerium räumte ein, dass der frühere Münchner CSU-Vorsitzende Gauweiler darauf gedrungen habe, das Untreue-Verfahren gegen Schmid endlich einzustellen. Nach Informationen des Ministeriums hat sich Gauweiler wiederholt telefonisch an den Amtschef des Justizressorts gewendet, weil das Verfahren, "obwohl angeblich einstellungsreif, noch nicht eingestellt sei". Darüber habe er auch mit dem damaligen bayerischen Justizminister Sauter (CSU) gesprochen. Sauter und Gauweiler hatten vor Jahren eine gemeinsame Kanzlei.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen ist darüber hinaus ein ehemaliger Mitarbeiter des US-Pharmaunternehmens Abbot festgenommen worden. Die Europazentrale des Unternehmens wurde durchsucht, weil die Firma verdächtigt wird, die Schmiergelder nach der Lieferung der Präparate überwiesen zu haben. Hinweise soll es schon 1993 gegeben haben. Ein anonymer Schreiber will den damaligen BRK-Präsidenten Vöth davon in Kenntnis gesetzt haben, dass der Geschäftsführer Vogt sowohl ein Beraterhonorar kassiert als auch die Kosten für Hotelsuiten und Reisen erstattet bekommen hätte. Vogt und sein Kompagnon Hiedl sollen zusammen sechs Millionen Mark bekommen haben. Das BRK hatte stets betont, dass bei dem Schmiergeldskandal keine Spendengelder veruntreut worden seien. Dies ist jedoch kaum nachzuweisen. Das BRK legt Wert auf die Feststellung, dass von jeder Spendenmark "mehr als 95 Pfennig" in die Wohlfahrt fließen. Die komplizierte Struktur der BRK-Spendenkassen hatten sich die Angeklagten zunutze gemacht.

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