Politik : Das Blatt wendet sich

Lange umgarnte die britische Politik den Medienzaren Murdoch – damit ist jetzt Schluss

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Ein Demonstrant macht vor der Londoner Wohnung von Rupert Murdoch dem Unmut über den Abhörskandal Luft – Murdoch wird dabei in Häftlingskleidung dargestellt, während der britische Premier David Cameron als Puppe agiert. Foto: Andrew Winning/Reuters Foto: REUTERS
Ein Demonstrant macht vor der Londoner Wohnung von Rupert Murdoch dem Unmut über den Abhörskandal Luft – Murdoch wird dabei in...Foto: REUTERS

Der US- Verleger Rupert Murdoch hat am Mittwoch eine massive Niederlage eingestehen müssen: Unter Druck des Unterhauses zog er seinen Übernahmeantrag des britischen Pay-TV-Senders BSkyB zurück. Murdochs Medienimperium ist nun in akuter Gefahr. Die Rundfunkaufsicht Ofcom bestätigte, dass sie nun prüft, ob Murdoch noch als charakterlich befähigt gelten kann, einen Rundfunksender zu betreiben. Nun ist nicht nur Murdochs Übernahme von 61 Prozent BSkyB-Anteilen vereitelt, die er noch nicht besitzt, auch seine bereits bestehenden Rundfunkinteressen sind in Gefahr.

In London kursierten Berichte, wonach Murdoch bereits „aktiv“ auch nach möglichen Käufern seiner Zeitungen „Times“, „Sunday Times“ und „Sun“ Ausschau hält. „Der Zusammenbruch der Übernahme ist eine Demütigung für Murdoch und wird die Aktionäre Milliarden kosten“, sagte die Londoner Medienanalystin Clare Enders.

Seit Tagen berät der 80-jährige Murdoch in London mit Familienangehörigen und engen Vertrauten, wie seine Mediengruppe die wachsende Krise um illegale Recherchen ihrer Journalisten überwinden kann. Die Krise weitet sich auch auf die USA aus. Unter anderem soll Murdoch Journalisten als auch Polizisten bestochen und Angehörige von Opfern des Terroranschlags auf das World Trade Centre 2001 illegal belauscht haben.

Murdoch trat den Rückzug kurz vor einer Unterhausdebatte an, in der sich der Zorn des Parlaments mit ungewohnter Wucht ergoss und klar machte, dass Murdoch und seiner Mediengruppe noch Wochen und Monate von massivem Druck bevorstehen. In einem außergewöhnlichen und von Tumulten begleiteten Angriff beschuldigte der frühere Premierminister Gordon Brown Murdochs „News International“-Zeitungsgruppe, unter dem Vorwand der Pressefreiheit kriminelle Aktivitäten auszuüben. Anders als die damalige Tory-Opposition habe er den Versuchen der Murdochs Widerstand geleistet, die BBC zu attackieren und die britische Medienaufsicht zu lockern. „Die Medienpolitik der Opposition dagegen sah immer mehr wie die Medienpolitik von Murdoch aus“. In einer sensationellen Enthüllung sagte Brown, er habe eine richterliche Untersuchung gegen Murdochs Medienmacht einleiten wollen, sei aber von Kabinettskollegen, dem Innenministerium, der Polizei und dem Beamtenapparat gebremst worden.

Browns Rede zerstörte die Einvernehmlichkeit, mit der sich die Parteien zuvor auf die Grundsätze einer richterlichen Untersuchung der Affäre geeinigt hatten. Premier David Cameron beauftragte einen der höchsten Richter im Land, Lord Justice Leveson, parallel zu den polizeilichen Ermittlungen der Affäre um Lauschangriffe und Polizistenbestechung auch die Ethik der Presse im weiteren Sinne zu untersuchen und Vorschläge über eine neue Presseregulierung auszuarbeiten.

Cameron zog mit scharfen Attacken auf Murdoch nach, um den „Vorsprung“ von Oppositionschef Ed Miliband aufzuholen, der durch seine scharfe Haltung gegen Murdoch an politischem Ansehen gewonnen hat. Murdoch solle aufhören, sich Gedanken um Übernahmen zu machen und anfangen, „den Schlamassel aufzuräumen, den er angerichtet hat“. Der Premier distanzierte sich auch klar von seinem früheren Kommunikationschef Andy Coulson, einem einstigen Chefredakteur der „News of the World“. Wenn sich herausstelle, dass Coulson ihn belogen und gegen Gesetze verstoßen habe, „muss er wie alle anderen bestraft werden“.

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