Politik : Das Buch Oskar

Stephan-Andreas Casdorff

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Da sitzt er nun in der Sonne, vor einem Glas italienischen (!) Rotwein, und denkt so vor sich hin. Sein Sohn tollt, er grollt. Hat er nicht die ganze Zeit gepredigt, die Steuern zu senken? Hat er nicht erklärt, dass weniger die Schulden des Staates das Problem sind, sondern das fehlende Geld in den Taschen der Konsumenten? Wie eine Repetitio klang das, was er natürlich weiß, weil er im erzbischöflichen Konvikt in Prüm zur Schule gegangen ist. Und soll er noch einmal darüber schreiben, sein Bild von der Politik entwickeln, das Buch Oskar? Damit die Menschen davon Kenntnis nehmen: Er hatte immer Recht.

Ja, Oskar Lafontaine wird leiden. Mit bald missionarischem Eifer hat er sich eingelassen, aber keiner in der Parteiführung hat’s hören wollen. Nur lesen konnten es Millionen, und das Geschriebene ließ sich gegen Gerhard Schröder wenden, was Lafontaine auch nicht ganz unrecht war. Denn noch immer schlägt sein Herz links, wie man lesen kann, und auf ewig wird er meinen, dass er nicht nur der bessere Schatzkanzler war, sondern auch der bessere Kanzler wäre. Richtig ist, dass Lafontaine, vor Hans Eichel im Kabinett, schon nach dem Wechsel 1998 Milliarden einsparen wollte; damals war Eichel noch Ministerpräsident und wollte das nun gerade nicht. Richtig ist auch, dass er vor Schröder auf der heutigen Linie war. Und jetzt macht der Kanzler seine Politik? Wenn er erfolgreich ist–das wäre nicht auszudenken! Wenn nicht, hat er auch das immer gewusst. Aber sicher ist das eine: Die Agenda 2010 ist nicht seine. Was Lafontaine bleibt? Nicht länger zu grollen, sondern mit dem Sohn zu tollen. In Berlin gilt der Prediger wenig. Hier ist es säkular.

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