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Das Bundesverfassungsgericht und die Homo-Ehe : Stiefkind Adoption

19.12.2012 00:00 Uhrvon
Die Vorlage eines Hamburger Gerichts und die Verfassungsbeschwerde einer lesbischen Frau beschäftigen die Richter in Karlsruhe.Bild vergrößern
Die Vorlage eines Hamburger Gerichts und die Verfassungsbeschwerde einer lesbischen Frau beschäftigen die Richter in Karlsruhe. - Foto: dpa

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe befasst sich mit dem Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartnerschaften. Konkret geht es um einen Sonderfall - doch letztlich wird um Gleichheit gerungen.

Misst man Relevanz in Zahlen, ist es ein unwichtiges Problem, das am Dienstag vor dem Bundesverfassungsgericht verhandelt wurde. So sah es auch Manfred Bruns, ehemaliger Bundesanwalt in Karlsruhe und ein seit Jahrzehnten engagiert für deren Rechte eintretender Homosexueller. 27000 eingetragene Lebenspartnerschaften gebe es in Deutschland immerhin, aber nur in einem Bruchteil davon lebten Kinder, erklärte er. Und bei wiederum nur einem Bruchteil davon handele es sich um die Kinder, um die es jetzt vor Gericht ging, die von einem der Partner selbst adoptiert wurden.

„Aber Gleichheit ist keine Frage der Zahl“, betonte der Jurist, und die Richter nickten bestätigend.

Zum wiederholten Mal stellt sich dem Verfassungsgericht die Aufgabe, Nachteile von Lebenspartnern gegenüber der Ehe auszugleichen. Die Vorlage eines Hamburger Gerichts und die Verfassungsbeschwerde einer lesbischen Frau beschäftigen die Richter. Nach geltendem Recht ist es Partnern einer sogenannten Homo-Ehe nur eingeschränkt möglich, Kinder zu adoptieren. Jeder Einzelne darf, nur gemeinsam ist es ihnen verwehrt. Bringt ein Partner ein leibliches Kind in die Partnerschaft mit oder wird es darin geboren, darf der andere Partner es adoptieren, die sogenannte Stiefkindadoption. Wurde das Kind jedoch zuvor bereits adoptiert, hat es also keine leiblichen Eltern unter den Lebenspartnern, sondern nur einen rechtlichen, ist die Adoption durch den weiteren Partner ausgeschlossen.

Anders ist die Lage bei Ehegatten. Sie dürfen nicht nur ein Kind gemeinsam annehmen, sondern der jeweils andere Partner darf auch für das vom Partner zuvor adoptierte Kind die Elternschaft übernehmen. Sukzessivadoption sagen die Fachleute dazu. Was nach einem Sonderfall klingt, hat weitreichende Bedeutung. Wird die Sukzessivadoption in der Homo-Ehe erlaubt, dürfte deren noch geltender Ausschluss von der gemeinschaftlichen Adoption schwer zu halten sein.

Eine Horrorvorstellung für Anhänger eines konservativen Familienbilds nach Vater-Mutter-Kind- Ideal. Doch gibt es die überhaupt noch? Immerhin einer hatte es nach Karlsruhe geschafft, Klaus Zeh, Präsident des Deutschen Familienverbands. Er sprach von einer „Addition von Problemlagen“, der Identitätssuche Adoptierter, drohenden Diskriminierungen. Was er nicht sagte, aber womöglich dachte: Dass ein Kind in vielerlei Hinsicht und trotz aller Toleranz besser dran ist mit Eltern beiderlei als mit Eltern gleichen Geschlechts. Eine Argumentation, die 2012 nicht mehr weit trägt. Nicht nur, dass die Richter des Ersten Senats darauf mit Unverständnis reagierten, auch alle anderen geladenen Fachverbände traten geschlossen für Reformen ein. Einmal, weil keine Studie belegt, dass Kinder es bei Homosexuellen schlechter haben als bei Heteros – eher gibt es Hinweise auf das Gegenteil. Zum anderen ist die Stiefkindadoption Realität, die Regenbogenfamilie gibt es längst. Falls es also darum gehen sollte, den Anfängen zu wehren – einer wie Klaus Zeh käme dafür zu spät.

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Eine Recherchekooperation des Tagesspiegels mit dem ARD-Magazin "Fakt".

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