Politik : Das Chaos übernimmt

Ugandas Armee ist gegangen – Kongolesen suchen Schutz bei UN

Christoph Link[Nairobi]

In der Demokratischen Republik Kongo hinterlassen abziehende Besatzungstruppen ein Chaos. Im Kongo herrscht seit vier Jahren Bürgerkrieg. Nach dem Abzug von rund 6000 ugandischen Soldaten in den vergangenen Wochen herrscht in der Stadt Bunia im Nordosten des Landes nun ein Machtvakuum. Nach heftigen Ausschreitungen hatten am Freitag bei einer Demonstration hunderte von Menschen sogar das Hauptquartier der UN-Mission Monuc angegriffen. Die Demonstranten forderten die UN auf, mehr für den Schutz von Zivilisten zu tun.

Nach dem Ausfliegen der ugandischen Soldaten hatte es bereits Plünderungen und sporadische Kämpfe gegeben. 60 000 Kongolesen waren ins 80 Kilometer entfernte Nachbarland Uganda geflohen. Die Umgebung der Stadt war früher schon wegen Konflikten zwischen den Ethnien der Hema und der Lendu eine gefährliche Region und Schauplatz mehrerer Massaker gewesen. Doch jetzt hat die Unsicherheit auch die Stadt Bunia selbst erfasst. Am Donnerstag hatte es Kämpfe zwischen den Milizen beider Volksgruppen rund um den Flughafen gegeben. Eine UN-Patrouille zählte am Freitag sechs Leichen in den Straßen Bunias. UN-Sprecherin Patricia Tome in Bunia sagte der BBC, die Lage sei „brisant“, Hunderte von Familien hätten auf dem UN-Gelände Zuflucht gefunden. Als die UN-Mission unter Granatenbeschuss gekommen sei, hätten UN-Soldaten zurückgefeuert. Zuvor war berichtet worden, dass Hunderte von Milizionären – darunter Kinder – mit Macheten, Speeren und Gewehren bewaffnet durch Bunia gestreift seien.

Theoretisch sollte die Stadt wieder unter die Verwaltung der Regierung in Kinshasa fallen, doch praktisch ist sie ohne Ordnungsmacht. Bei dem Anflug auf Bunia war das Flugzeug des kongolesischen Ministers für Menschenrechte, Ntumba Luaba, beschossen und zu einer Notlandung gezwungen worden. Die Agentur AFP berichtete, dass die kleine Hema-Rebellenarmee der „Union der Kongolesischen Patrioten“ (UPC) wieder nach Bunia zurückgekehrt sei, nachdem sie von dort vor zwei Monaten von den Ugandern vertrieben worden war.

Nach internationalem Druck waren die ugandischen Besatzer aus Bunia abgerückt. Nur eine Einheit von 1000 Soldaten soll hinter der Grenze postiert werden, um das Eindringen ugandischer Rebellen aus dem Kongo zu verhindern. Fraglich ist, wer die Ordnung in Bunia nach dem Abzug der Soldaten wiederherstellen soll. Die Monuc hat derzeit 411 Blauhelme in Bunia stationiert, die Zahl soll jetzt am Wochenende auf 600, später auf 850 Soldaten erhöht werden. Aus der Zivilbevölkerung Bunias und von humanitären Organisationen war der dringende Wunsch gekommen, die UN-Soldaten sollten ihr Mandat erweitern und nicht nur die UN-Beobachter, sondern auch die Zivilbevölkerung schützen. Doch vom Weltsicherheitsrat sind die UN-Soldaten nicht mit einer militärischen Intervention beauftragt worden. In der Stadt Kisangani am Kongofluss hatten deshalb marokkanische Blauhelmsoldaten einem Massaker von Rebellen an 200 Zivilisten praktisch tatenlos zugesehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben