Politik : Das Eis wird heiß

Jetzt warnen auch die Wissenschaftler der Nasa: Alle zehn Jahre nimmt die Polarkappe des arktischen Meeres um zehn Prozent ab

Thomas de Padova

Amerikanische Atom-U-Boote tauchen seit Jahrzehnten immer wieder unter das Eis des nördlichen Polarmeeres ab. Die US-Militärs messen dabei – zu ihrer eigenen Sicherheit – die Dicke der über ihnen liegenden Eisdecke. Anhand dieser Daten errechnete Andrew Rothrock von der University of Washington in Seattle, dass das arktische Eis mit der Zeit dünner und dünner geworden ist: 40 Prozent des Meereises schmolzen seit den 60er Jahren in den befahrenen Regionen dahin, die Eisdecke verringerte sich um durchschnittlich 1,30Meter.

Jetzt hat die Weltraumbehörde Nasa erstmals ein noch umfassenderes Bild der arktischen Eisschmelze vorgelegt. Es deckt sich mit Rothrocks Ergebnissen aus dem Jahr 1999. Wie die Nasa-Forscher anhand von Satellitenbeobachtungen ermittelt haben, ist die von Eis bedeckte Fläche in der Arktis seit 1980 um 20 Prozent kleiner geworden. 2002 und 2003 sei sie auf ein Rekordtief geschrumpft, sagt Josefino Comiso vom Goddard Space Flight Center in Greenbelt.

Die Nasa-Forscher gehen davon aus, dass die große Schmelze zum Teil auf die vom Menschen mit verursachte Klimaänderung zurückzuführen ist. Und sie befürchten, dass sich die Erde noch schneller erwärmen wird, wenn das Eis weiter schwindet.

„Schnee und Eis reflektieren das Sonnenlicht wegen ihrer weißen Farbe stark“, sagt Comiso. „Sie werfen den größten Teil der Sonneneinstrahlung zurück.“ Schmilzt das Eis, so nimmt das dunkle Meerwasser fortan mehr Wärme auf, die Ozeantemperaturen steigen, und das Meereis geht noch schneller zurück. Ein Teufelskreis, der verstärkt werden könne, wenn die bisher im Dauerfrost und am kalten Ozeanboden gefangenen Treibhausgase Kohlendioxid und Methan in die Atmosphäre gelangen, sagt der Ozeanograph Michael Steele. Auch Christian Haas vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven und sein Team haben gemessen, dass das Meereis zwischen Spitzbergen, Grönland und dem Nordpol im letzten Jahrzehnt um 20 Prozent dünner geworden ist. „Aber wir wissen nicht, ob sich der Trend fortsetzen wird“, sagt er.

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