Politik : Das Ende der Einsamkeit

Gaddafi trifft Berlusconi – und bald vielleicht auch Blair

Paul Kreiner

Rom. Libyen ist zurück in der Weltpolitik: Jahrelang war das Land wegen Unterstützung des Terrors und dem Streben nach Massenvernichtungswaffen international isoliert. Doch nach dem Kurswechsel von Revolutionsführer Muammar al Gaddafi nimmt das Land wieder am internationalen Besuchsprogramm teil: Einen „Meilenstein“ für Libyens Rehabilitierung auf der Weltbühne setzte der libysche Außenminister Mohammed Abderrhmane Chalgam bei seiner Visite in London, wie sein britischer Kollege Jack Straw am Dienstag erklärte. Am gleichen Tag stattete Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi Gaddafi einen Blitzbesuch ab.

Als erster europäischer Regierungschef honoriert Berlusconi auf diese Weise die Bereitschaft Gaddafis, mit dem Westen bei der Bekämpfung des Terrorismus zusammenzuarbeiten und sein Waffenarsenal abzurüsten. Berlusconi bezeichnet Italiens nordafrikanischen Nachbarstaat als „befreundetes Land“. Rom hat auch während der internationalen Sanktionen den Gesprächsfaden nie abreißen lassen. Gerade die Regierung Berlusconi, so Außenminister Franco Frattini, habe einen „bedeutenden Beitrag“ zu Gaddafis Wende geleistet. Italien hat auch handfeste Interessen an entspannten Beziehungen: Von Libyen aus versuchen jedes Jahr tausende Afrikaner, über das Mittelmeer nach Italien einzuwandern. Zur Abwehr der Flüchtlingsströme hat Berlusconis Regierung vor sieben Monaten in aller Stille mit Gaddafi einen Vertrag geschlossen, der unter anderem die Arbeit italienischer Polizisten in Libyen erlaubt.

Von den jüngsten internationalen Verhandlungen mit Gaddafi war Berlusconi ausgeschlossen. Mit seinem Abstecher nach Tripolis wollte er sich nun offenbar auf dieser Bühne zurückmelden. Dafür spricht auch die italienische Forderung, die Nato solle mit den nordafrikanischen Staaten eine engere „Partnerschaft für Verteidigung und Sicherheit“ eingehen. Schon bald könnte sich der lange allein gelassene Gaddafi über ein weiteres Gipfeltreffen freuen: In London wurde auch über einen Termin mit Premierminister Tony Blair gesprochen. Und sogar die USA haben wieder einen Vertreter in Tripolis: Wie am Dienstag bekannt wurde, soll der Diplomat die US-Waffenexperten im Land unterstützen.

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