Politik : Das Ende des Containments (Kommentar)

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Der Umgang mit Diktaturen ist nicht einfach. Seit dem Ende des Koreakriegs 1953 hat Südkorea zusammen mit dem Westen versucht, das stalinistische Regime im Norden politisch zu bekämpfen. Man stationierte Truppen, sanktionierte den Handel und brach alle diplomatischen Kontakte ab. Containment - Eindämmung nennt man das. Gebracht hat es nichts. Während die Welt Nordkorea ignoriert, leidet das Volk. Seit 1997 sind Hunderttausende wenn nicht Millionen Nordkoreaner verhungert. Der Westen trägt daran nicht die Schuld. Aber unternimmt auch nichts, um dem Elend ein Ende zu machen. Südkoreas Präsident Kim Dae Jung geht einen anderen Weg. Statt Pjöngjangs Militärführer weiter in die Ecke zu treiben, reicht er den Diktatoren die Hand. "Sonnenscheinpolitik" nennt er den schwierigen Versuch, das weltfremde und oft aggressive Regime in die Weltgemeinschaft zu integrieren. Und er hat Erfolg. Im Juni wird der erste Gipfel der beiden koreanischen Staatschefs in Pjöngjang stattfinden. Ob dieser erfolgreich wird, hängt auch von der Unterstützung aus dem Ausland ab. Die USA und Europa zieren sich bislang, diplomatische Kontakte mit Pjöngjang aufzunehmen und dem Land wirtschaftlich zu helfen. Nordkoreas Außenminister wurde kürzlich in Berlin nur auf Staatsministerebene empfangen. Das reicht nicht. Südkoreas Sonnenscheinpolitik braucht die Unterstützung des Westens: Gebt dem Diktator die Hand, und helft dem hungernden Volk.

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