Politik : Das Ende von Tschernobyl: Als Menschen und Maschinen versagten

Thomas de Padova

Technische Mängel und menschliche Fehlentscheidungen führten am 26. April 1986 zur Explosion des Reaktorblocks Nummer 4 in Tschernobyl. Der Unfall ereignete sich bei einem Sicherheitstest. Damit wollte man zeigen, dass die Anlage auch bei Kühlmittelverlust und gleichzeitigem Stromausfall einwandfrei arbeitete.

Während des Tests heizte sich der Reaktor plötzlich schlagartig auf. Ursache dafür waren Konstruktionsfehler. Das Wasser in dem Reaktorkreislauf hatte sowohl die Funktion, Wärme aufzunehmen, als auch Neutronen zu absorbieren. Diese Neutronen sind es, die neue Kernreaktionen in Gang setzen. Ein Verlust des Kühlwassers führte beim Tschernobyl-Reaktor dazu, dass plötzlich überschüssige Neutronen da waren. Die Wärmeleistung des Reaktors stieg rapide an. Das Personal hätte den Test aber gar nicht starten dürfen, weil der Reaktor schon zuvor in einem kritischen Zustand war. Als die Operateure die Anlage nun kurzerhand abschalteten und die Steuerstäbe dazu in den Reaktorkern eintauchten, fiel die Wärmeleistung nicht etwa ab. Tragischerweise löste der Abschaltvorgang kurzfristig noch mehr Kernspaltungen aus: Das Graphit an den viel zu langsam eintauchenden Steuerstäben bremste die Neutronen ab. Gerade langsame Neutronen jedoch setzen Kernreaktionen besonders effektiv in Gang - eine weitere folgenschwere Schwachstelle des Tschernobyl-Reaktors. 20 Sekunden nach dem Abschalten der Anlage explodierte das Kraftwerk.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar