Das Euro-Hawk-Debakel : Das Drohnenprojekt droht noch teurer zu werden

Die finanziellen Verluste nach dem Stopp des Euro-Hawk-Entwicklungsprojekts könnten noch höher ausfallen, als von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bisher angegeben.

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Es gibt offenbar wachsende Zweifel an der weiteren Nutzbarkeit der in der Drohne getesteten Aufklärungstechnik Isis. Das gehe aus einem als vertraulich eingestuften Bericht der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft in Ottobrunn hervor, die sich im Auftrag des Wehrbeschaffungsamts im November 2012 mit Alternativen zum gescheiterten Millionen-Projekt befasst hat. De Maizière hatte die finanziellen Verluste des Projekts für verkraftbar gehalten, weil Isis auch auf anderen Fluggeräten genutzt werden könne. Die Prüfer kommen in ihrer Untersuchung jedoch zu dem Ergebnis, dass das nur unter hohem Zeitaufwand möglich sei und Kostenrisiken berge. Laut Studie wäre bei einem 20-jährigen Betrieb eines umgerüsteten Systems mit Gesamtkosten von rund 1,5 Milliarden Euro zu rechnen.

Um Verluste zu minimieren, denkt das Verteidigungsministerium offenbar über einen Verkauf der Aufklärungsdrohne an die USA nach. Das Ministerium habe in einem internen Bericht vom 24. Mai dafür die Weltraumbehörde Nasa oder die US-Luftwaffe genannt, berichtete die „Bild am Sonntag“. Voraussichtlich im September endet laut dem Bericht die Euro-Hawk-Erprobung, danach gingen Drohne, Bodenstationen und Ersatzteile „in das Eigentum der Bundeswehr über“. Mit einem hohen Erlös rechnet das Verteidigungsministerium demnach aber nicht. Ein Sprecher sagte lediglich, es würden Optionen geprüft, was nach dem Übergang des Prototyps an die Bundeswehr geschehen solle. Zu den angeblichen Verkaufsabsichten äußerte er sich nicht. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, bezeichnete den Versuch, die Drohne zu verkaufen, als „ziemlichen Unfug“. Der „Frankfurter Rundschau“ sagte er: „Das Teil steht irgendwann in einem Technik-Museum.“

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