Politik : Das Gewissen der Arbeiter

Blairs Labour-Partei streitet über die Finanzierung von Elite-Unis

Matthias Thibaut[London]

Trotz erbitterten Widerstands in der Partei hat die Labour-Regierung das umstrittene Universitätsgesetz eingebracht, mit dem Premier Tony Blair sein politisches Überleben verknüpft hat. Über 150 Labour-Abgeordnete lehnen den Kerngedanken entschieden ab: „Elite-Unis" dürfen künftig höhere Gebühren verlangen als andere. Sollte sich die Zahl der Abweichler auf 82 erhöhen, könnten sie Blairs Regierung eine bedrohliche Niederlage beibringen.

Seit Monaten tobt die Diskussion. Jeder weiß, dass die britischen Unis mehr Geld brauchen. „Wir können nicht Weltklasse-Akademiker ausbilden, wenn wir nur noch die Hälfte zahlen wie vor 20 Jahren", warnte Professor Michael Sterling, Präsident der „Russell-Gruppe" der 19 britischen Top-Unis. Auch Labour will mehr Studenten. Aber wie die Mehrheit der Briten argumentiert Blair, dass dafür nicht „einfache Arbeiter" über ihre Steuern bezahlen sollten. Schließlich gilt ein Uni-Abschluss als Garantie für ein höheres Lebenseinkommen.

Britische Studenten zahlen bereits eine einheitliche Studiengebühr von 1250 Pfund pro Studienjahr. Die Labour-Abweichler argumentieren, eine differenzierte Gebührenstruktur würde gute Universitäten automatisch für Reiche reservieren. Blair und sein Bildungsminister Charles Clarke halten es dagegen für ungerecht, wenn Absolventen billiger Massenstudiengänge genauso viel zahlen wie Studenten exklusiver Top-Unis, die überwiegend aus der Mittelklasse kommen.

Nun sollen die sozialen Bedenken durch eine Reihe von Zusatzvorschriften entkräftet werden. „Kein Student würde aus finanziellen Gründen vom Besuch einer Top-Universität abgehalten", beharrte Clarke im Parlament. Doch die Universitäten warnten bereits: Das Gesetz sei schon so verwässert, dass die Mehreinnahmen durch Sozialauflagen geschluckt würden: „Wenn wir durch unsere und die EU-Studenten nicht genug Geld einnehmen, müssen wir uns eben um mehr zahlungskräftige Studenten aus Übersee bemühen", drohte Sterling am Donnerstag in der „Times". Diese zahlen Studiengebühren von rund 15 000 Pfund pro Jahr.

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