Politik : Das große Aufatmen

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Der Landesvorsitzende ging erst einmal auf Tauchstation. Wer am Mittwoch mit Jürgen Rüttgers sprechen wollte, wurde nur unter der Bedingung vorgelassen, nichts zur Causa Laurenz Meyer zu fragen. Doch dass sich die örtlichen Parteigliederungen in den vergangenen Tagen derart kritisch über den Parteifreund Generalsekretär geäußert hatten, war kein Zufall. Jürgen Rüttgers hat viel telefoniert und den einen oder anderen ausdrücklich ermuntert, sich öffentlich zu positionieren.

Dass er und Meyer keine Freunde sind, ist bekannt. „Der hätte sofort ein Hintergrundgespräch in Berlin einberufen, wenn ich auch nur eine Kilowattstunde Strom nicht bezahlt hätte“, hatte Rüttgers intern analysiert. Doch wäre er als Vorsitzender mit dicken Geschützen gegen den General aufgefahren, wäre am Ende auch Angela Merkel beschädigt worden – und das wollte Rüttgers tunlichst vermeiden.

Also schickte er den einen oder anderen aus dem Landesvorstand ans Mikrofon. Besonders laut tönte sein Vize Oliver Wittke. „Besonders unerträglich war“, so urteilte der abgewählte Oberbürgermeister von Gelsenkirchen, „dass immer etwas hinterherkam. Wer mit Parteifreunden nicht offen umgeht, der hat jeden Anspruch auf Solidarität verwirkt.“ Diese Botschaft verstand Meyer, er trat zurück.

„Ich bin froh, dass das beendet ist“, sagt nun Herbert Reul, Europaabgeordneter und früherer Landesgeneralsekretär. Der Mann kennt das Gefühl, kurz vor dem Sieg abgefangen zu werden genauso gut wie Rüttgers, der vor fünf Jahren in einer ähnlichen Situation war. Damals brachte ihn die CDU-Spendenaffäre auf die Verliererstraße. Jetzt sanken die Umfragewerte ähnlich dramatisch. Mit Meyers Rückzug soll sich, so wünscht es sich die Landespartei, der Trend wieder drehen. Dabei übersehen die Parteistrategen freilich, dass der CDU-Stern im größten Bundesland schon vor der Affäre Meyer zu sinken begonnen hatte.

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