Politik : „Das ist der Filz von gestern“

RWE-Chef Roels will den Umgang mit Politikern ändern – aber nur auf Bundes- und Landesebene

Jürgen Zurheide[Essen]

Die Geschichte wurde vor Monaten hinter vorgehaltener Hand erzählt. Harry Roels, der neue RWE-Chef, habe sich hartleibig gezeigt und mit „Nein“ geantwortet, als er freundlich gebeten wurde, eine kleine Aktion in einer Ruhrgebietsgroßstadt zu fördern. „Und dabei handelte es sich um weit weniger als 10 000 Euro“, wurde einem zugeraunt, bevor man darauf hingewiesen wurde, dass derjenige, der da bei Roels angefragt hatte, auch noch eine wichtige Rolle im Aufsichtsrat des Unternehmens spiele. Natürlich fehlten in der Beschreibung des Vorgangs Worte wie „unsensibel“ nicht.

Harry Roels ficht das nicht an. Als er den Vorstandsvorsitz des Essener Energieriesen im Mai des Jahres 2002 übernahm, hatte er die eine oder andere Geschichte aus der Vergangenheit gehört – aber das interessierte ihn weniger. Der Niederländer trennte sich stattdessen von etlichen überteuert gekauften ausländischen Investments. Er versuchte die Schulden zu reduzieren und freute sich über den steigenden Börsenkurs. Dass er in diesen Tagen neue Schlagzeilen über die enge Verflechtung des Unternehmens mit der Politik lesen muss, irritiert den Mann hochgradig. „Das ist der Filz von gestern“, urteilt er rasch, „damit ist jetzt Schluss.“

Roels hat – getrieben vom neuen Aufsichtsratschef Thomas Fischer – die interne Revision auf die Fälle Meyer und Arentz angesetzt und will zudem eine Kommission beauftragen, neue Verhaltensgrundsätze für den Umgang mit Aktionären, Kunden und der Politik aufzustellen. „Als eines der ersten Dax-Unternehmen, das den Corporate-Governance-Kodex vollständig befolgt, halten wir diesen Schritt für selbstverständlich“, schrieb Roels in einem eilig an die 57 000 inländischen Mitarbeiter verteilten Brief, in dem er auch zugab, dass die jüngste Affäre „nicht optimal behandelt worden ist“.

Seine Juristen haben ihm erklärt, dass nur Laurenz Meyer öffentlich für Klarheit sorgen kann. Die Firma darf ohne Zustimmung des Betroffenen keine Details preisgeben. Und Meyer hat sich, zum Ärger von Roels, anders verhalten, als etwa Clements Staatssekretär Georg Wilhelm Adamowitsch. Der war vorher ebenfalls bei der REW-Tochter VEW beschäftigt. Nicht zuletzt, weil er nach seinem Ausscheiden nichts mehr kassiert hat, legte er seinen Vertrag jetzt offen.

In einem Punkt haben die internen Prüfer bereits Entwarnung signalisiert: Offenbar gibt es neben Meyer und Arentz keine weiteren RWE-Parlamentarier auf Landes- oder Bundesebene. Das ist aber kaum überraschend. Da die Kommunen zwischen Düsseldorf und Dortmund mit einem Anteil von 33 Prozent die größte Eigentümergruppe stellen, muss man eher hier nach Verflechtungen suchen. So gibt es kaum einen Bürgermeister, der nicht im Aufsichtsrat oder irgendeinem Beirat von RWE sitzt – in der Eigentümerrolle. Daneben zählt man unter den 57 000 Mitarbeitern rund 200 kommunale Mandatsträger. Die werden für die Ratssitzungen freigestellt; das Unternehmen geht damit großzügig um, wie die Betroffenen berichten. „Das ist gut für die Gesellschaft und gut für das Unternehmen“, urteilte Harry Roels intern. Die Öffentlichkeit muss er davon freilich noch überzeugen.

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