Politik : „Das ist ein deutliches Signal“

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Herr Köllner, wie bewerten Sie die Entschuldigung des japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi?

Das zeigt, dass die japanische Regierung an einer Entspannung der Beziehungen zu China und Südkorea interessiert ist. Tatsächlich geht Koizumis Entschuldigung nicht über frühere Äußerungen hinaus, insbesondere die umfassende Entschuldigung des japanischen Regierungschefs Tomiichi Murayama 1995. Allerdings war er als sozialdemokratischer Regierungschef eine Ausnahmeerscheinung. Konservativen Premiers ist es dagegen meistens schwer gefallen, das Wort Aggression und damit das Eingeständnis von Schuld über die Lippen zu bringen. Insofern ist das ein deutliches Signal von Koizumi.

Wie hat sich Japan im Vergleich zu anderen Staaten mit seiner Schuld auseinander gesetzt?

Das ist der Knackpunkt an der ganzen Geschichte. Was die beiden Koreas und China bemängeln, ist weniger die Tatsache, dass eine offizielle Entschuldigung fehlen würde, die gab es ja, sondern eher die Tatsache, dass Worte und Taten nicht übereinstimmen. Kritisiert wird, dass Japan Geschichtsbücher zulässt, in denen die Kriegsvergangenheit geschönt wird, oder dass der Yasukuni-Schrein, wo auch einige Kriegsverbrecher geehrt werden, demonstrativ besucht wird, wie gerade am Freitag von 80 japanischen Abgeordneten zum Frühlingsfest. Das steht in klarem Widerspruch zu der geäußerten Reue. Deutschland ist einen anderen Weg gegangen. Es gibt in Japan nichts Vergleichbares mit dem Kniefall von Willy Brandt in Warschau.

Patrick Köllner (37) ist wissenschaftlicher Referent am Institut für Asienkunde in Hamburg. Das Gespräch führte Dagmar Dehmer.

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