Politik : Das Kabinett der Fragezeichen (Meinung)

Michael Mara

Manche sprechen von einem Kabinett der Fragezeichen. Und gewiss lassen sich Fragen aufwerfen: Werden Arbeits-, Gesundheits- und Sozialminister Alwin Ziel, Bildungsminister Steffen Reiche sowie Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birthler ihre neuen Aufgaben packen? Ist Kultur- und Wissenschaftsminister Wolfgang Hackel eine Fehlbesetzung, wie manche behaupten? Und ist Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß, über den man Unterschiedliches hört, tatsächlich der Macher, als den er sich gibt? Wird es in der Innen- und Justizpolitik durch Jörg Schönbohm und Kurt Schelter einen Rechtsruck geben? Für eine Antwort ist es viel zu früh, auch müssen jedem neuen Kabinett die üblichen 100 Tage Schonfrist zugebilligt werden. Doch könnte man den Spieß auch umdrehen: Ist es wirklich ein Nachteil, wenn gestandene Politiker völlig neue Aufgaben übernehmen? Schließlich wird die Politik komplexer, sind "Fachidioten" immer weniger gefragt. Wilma Simon ist das beste Beispiel: Als Stolpe die Hamburger Sozial-Staatsrätin als Finanzministerin nach Brandenburg holte, trauten ihr viele die schwierige Haushalts-Konsolidierung nicht zu - und wurden schnell eines Besseren belehrt.

Sicher ist, dass Stolpe und Schönbohm als unangefochtene Autoritäten in ihren Parteien auch das Kabinett prägen werden. Aber in welchen Rollen? Der Moderator auf der einen, der Polarisierer auf der anderen Seite des Tisches? Der Bewahrer hier, der Modernisierer dort? Manchmal ist man in verteilten Rollen sogar schlagkräftiger. Stolpe und Schönbohm müssen sich nur einig sein. Ob sie es sind, wird sich bald zeigen.

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