Politik : Das Meer als Müllkippe

Umweltrat kritisiert Sondermüllverbrennung auf hoher See

Sebastian Esser

Berlin. Der Kabeljau und der europäische Aal sind vom Aussterben bedroht. Darauf hat der Rat der Sachverständigen für Umweltfragen in einem Sondergutachten zum Meeresumweltschutz hingewiesen. Jede vierte Fischart in der Nordsee und jede dritte in der Ostsee gelten als gefährdet. Auch Meeressäuger wie Seehunde und Robben sind bedroht, warnt der Rat, der die Bundesregierung in Umweltfragen berät.

Die sieben Mitglieder des Umweltrates übergaben ihren Bericht am Dienstag an Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Das Gutachten nennt neben der Überfischung die Einleitung von Chemikalien, den Nährstoffüberschuss durch die Düngung in der Landwirtschaft und die Verschmutzung durch die Schifffahrt als wichtigste Gefahren für die Natur von Nord- und Ostsee.

Aufgrund dieser Erkenntnisse empfehlen die Professoren der Regierung „einschneidende politische Initiativen und grundlegende Korrekturen“ ihrer Politik, besonders in der Fischerei- und Agrarpolitik sowie im Umgang mit Chemikalien. Sie setzen sich auch für eine Neuordnung der Kompetenzverteilung zwischen Ländern, dem Bund und der Europäischen Union ein. So sollten nicht die Länder, sondern der Bund allein für den Schutz der Meere zuständig sein. Eine EU-Behörde solle die Verschmutzung kontrollieren. „Weil die europäischen Meere gemeinsam belastet werden, ist eine gemeinsame EU-Behörde notwendig“, sagte Hans-Joachim Koch, der Vorsitzende des Umweltrates. Auch bei der Reduzierung des Nährstoffüberschusses besonders in der Ostsee könne nur die EU wirksam handeln. „Ohne eine weitere Korrektur der EU-Agrarpolitik sind keine weiteren Erfolge zu erzielen.“ Die EU-Erweiterung könne zu einer zusätzlichen Belastung der Meere führen, wenn auch in den neuen Mitgliedstaaten die Intensivlandwirtschaft gefördert werde.

Der Bericht regt ein Verbot einiger Treibstoffe für Schiffe an, wie etwa „Bunker-C“, ein Abfallprodukt aus der Ölgewinnung. „In Wahrheit ist das Sondermüllverbrennung auf hoher See“, so Koch. Auch solle die EU ein Hafenanlaufverbot für Schiffe mit nur einer Wand auch gegen internationale Vereinbarungen durchsetzen, um Ölkatastrophen vorzubeugen. Obwohl die Schadstoffbelastung seit dem vorhergehenden Meeresgutachten von 1980 zurückgegangen sei, liege die Konzentration zahlreicher Chemikalien im Meerwasser und in den Sedimenten am Meeresgrund weiterhin deutlich über den Schwellen, die als unbedenklich gelten, heißt es im Gutachten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar