Politik : Das Misstrauen zwischen Moskau und Washington bleibt (Kommentar)

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Plötzlich ist wieder die Rede von ihnen: SS 18, SS 24, MX "Peacekeaper", Minuteman III - Interkontinentalraketen, die die USA und Russland nach wie vor aufeinander gerichtet haben. Ein Relikt des Kalten Krieges, aber auch Verhandlungsmasse im politischen Ringen um die amerikanischen Pläne einer nationalen Raketenabwehr. Wie viele dieser atomar bestückten Raketen es überhaupt noch gibt, verdrängt die Öffentlichkeit gerne. Deshalb ist die gute Nachricht, die sich mit der Ratifizierung des Start-II-Vertrages durch die Moskauer Duma verbindet, auch von historischer Tragweite: Die Atomwaffenarsenale der USA müssen auf 3500 reduziert werden, Russland darf künftig nur noch über 3000 atomare Sprengköpfe verfügen. Das amerikanisch-russische Abrüsten soll nach den Vorkehrungen der Start-Verträge noch weiter gehen, was mit dem Ende der bipolaren Welt auch logisch ist. Aber auch wenn die Ratifizierung durch die Duma mit dem Machtverlust der Kommunisten und Nationalisten im russischen Parlament längst überfällig war, so war sie doch keineswegs selbstverständlich. Schließlich hat sich die Duma just zu einem Zeitpunkt zur Abrüstung durchgerungen, da sich Russland mit seinem Tschetschenien-Abenteuer isoliert und die USA über einen Rüstungs-Alleingang zum Schutz gegen "Schurken-Staaten" nachdenken. Die Warnung des russischen Präsidenten Putin, notfalls die Zustimmung zu Start II wieder zurückzunehmen, zeigt, wie groß das Misstrauen zwischen Moskau und Washington weiter ist.

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