Politik : Das Monopol der Zocker

Von Corinna Visser

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Im Internet sind die Angebote nur zwei Klicks voneinander entfernt. Man vergleicht die Quoten und kann seine Wette entweder beim staatlichen Anbieter Oddset oder beim privaten Konkurrenten bwin platzieren. Das Angebot von bwin hat nur einen Haken: Es ist illegal. So jedenfalls sieht es das sächsische Innenministerium, das bwin jetzt ein Verbot erteilte. Denn in Deutschland hat der Staat ein Monopol auf das Glücksspiel.

Die Begründung für das Monopol beruht im Wesentlichen auf zwei Argumenten: Glücksspiele und Wetten sind gefährlich und können zur Sucht führen. Darum sind sie grundsätzlich verboten. Auf der anderen Seite aber verspürt der Mensch einen natürlichen Spieltrieb. Damit er den nicht in illegalen Spielhöllen oder dunklen Hinterhöfen befriedigen muss, soll es ein legales Angebot geben. Der Staat will den Spieltrieb damit in geordnete und überwachte Bahnen lenken.

Bereits im Mittelalter nahmen die Landesfürsten diese ambivalente Haltung ein. Auf der einen Seite herrschten ordnungspolitisch moralische Bedenken, der so verhängnisvollen Spielleidenschaft der Menschen ihren Lauf zu lassen. Doch auf der anderen Seite sah man beim Glücksspiel sehr wohl den finanziellen Nutzen. Man belegte die Spiele mit Steuern und zwang die Veranstalter zu Abgaben. So ist es heute noch.

Um zu zeigen, dass man bei der Regulierung des Marktes tatsächlich das Allgemeinwohl im Auge hat, fließt ein Teil der Überschüsse aus Lotto, Oddset und Rubbellosen guten Zwecken zu: dem Sport, der Jugendarbeit und der Kultur. Rund 500 Millionen Euro pro Jahr etwa fließen in die deutsche Sportförderung.

Die moralische Frage, ob man eine schlechte Sache (das Glücksspiel) wieder gut machen kann, indem man den Gewinn daraus für etwas Gutes einsetzt, soll hier nicht beantwortet werden. Die Frage aber, ob man das vorgegebene Ziel nicht auch erreichen kann, ohne zum äußersten Mittel zu greifen, sehr wohl. Und die Antwort ist knapp: Es ist durchaus möglich, private Anbieter von Glücksspielen so streng zu kontrollieren, dass ein Kunde dort nicht größeren Gefahren ausgesetzt ist, als wenn er zweimal in der Woche in eine Lottoannahmestelle marschiert. Und es ist möglich, solchen Anbietern eine Abgabe aufzuerlegen, die die Förderung von Kultur, Jugendarbeit und Sport nach wie vor möglich macht.

Was dann allerdings nicht mehr so einfach funktioniert, ist, altgediente Politiker und Beamte mit schönen Posten bei den Lottogesellschaften zu versorgen. Auch heute noch sind es die Landesfürsten, die mehr oder weniger nach Gutsherrenart über die Verwendung der Mittel entscheiden. Klare Regeln gibt es nicht. In manchen Bundesländern fließen die Mittel in den Haushalt, in anderen Ländern fließen sie ganz einfach daran vorbei. In Berlin etwa entscheidet der Stiftungsrat, wohin die Lottomittel fließen.

Doch selbst wenn die Politiker wirklich nur die Einnahmen für den guten Zweck, für Sport, Kultur und Jugend verteidigen wollten: Das Monopol ist dafür nicht der richtige Weg. Den Lottofürsten wird es ähnlich ergehen wie den Managern der Musikindustrie. Lange Zeit haben sie das Internet ignoriert – bis sie nicht mehr wegsehen konnten, weil längst andere ihr Geschäft machten. An den deutschen Aufsehern vorbei zocken die Menschen längst weltweit im Netz.

Wenn die Politik ihre Bürger wirklich schützen will, muss sie dafür sorgen, dass möglichst viele Anbieter ihr Geschäft auch hier betreiben. Nur dann kann sie die Regeln mitgestalten.

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