Politik : Das riecht nach Geld

Von Jan Schulz-Ojala

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Die Oberfläche glitzert verführerisch. Heute Abend lädt die Deutsche Filmakademie in Berlin zum dritten Mal zur Lola-Gala, und alle könnten jetzt schnell mal sehr zufrieden sein. Der Glamour-Faktor beim Deutschen Filmpreis stimmt, das öffentlich-rechtliche Fernsehen überträgt mittlerweile fast live, und auch die glücklichen Sieger locken – siehe „Alles auf Zucker“ und „Das Leben der Anderen“ – erfahrungsgemäß erneut die Massen ins Kino. Tatsächlich sind die Lolas, seit die Filmleute sie in eigener Regie vergeben, auf ihrem Weg zum Vorbild Oscar ein hübsches Stückchen vorangekommen.

In der Tiefe aber rumort es bedrohlich. Die längst auch international ausgezeichnete Creme der jüngeren deutschen Filmemacher steht dem vor vier Jahren gegründeten Branchenverein hartnäckig skeptisch gegenüber. Teils tritt sie, wie Christian Petzold oder Florian Henckel von Donnersmarck, gar nicht erst ein. Oder sie tritt, wie Fatih Akin, gleich wieder aus. Oder sie macht, Beispiel Hans Weingartner oder Andres Veiel, mit scharfer interner Kritik von sich reden.

Der Hauptvorwurf: Die aus rund 900 Filmleuten bestehende Akademie ist ein Selbstbedienungsladen, dessen wichtigster Zweck darin besteht, den mit knapp drei Millionen Euro höchstdotierten deutschen Kulturpreis des Staates weitgehend unkontrolliert unter den Mitgliedern aufzuteilen. Zwischen zwei sauberen Systemen – entweder undotierte Ehren-Prämien wie bei den Oscars oder von einer unabhängigen Jury erkorene Sieger wie in den Jahrzehnten zuvor – regiert nun der faule Kompromiss. Die Folge: zwangsläufiger Profilverlust durch Mehrheitsentscheidungen und das unabweisbare Risiko von Filz und Profiteuren.

Die Akademie sollte ihren prominenten Kritikern dankbar sein. Denn sie reiben sich nicht an einem bloßen ImageProblem der noch immer jungen Institution, sondern nennen ihr strukturelles Dilemma beim Namen. Zudem wird mittlerweile die Dominanz derer bedrängend deutlich, die schon die Akademie-Gründung an den staatlichen Millionen-Mitnahmeeffekt gekoppelt hatten. Bernd Eichinger, Trommler der ersten Stunde, steht mit Tom Tykwers „Parfum“, dem Favoriten aus seinem Hause Constantin, kurz vorm Ziel einer seltsam konzertiert anmutenden Aktion. Vor Wochen warb Akademiepräsident Günter Rohrbach, Constantin-Aufsichtsrat und als Produzent in Constantin-Diensten, im „Spiegel“, dessen Chefredakteur Stefan Aust mit dem Constantin-Aufsichtsratsvorsitzenden Eichinger an einem Constantin-Drehbuch schreibt, massiv für das Constantin-Produkt „Parfum“. So sehr jeweils pure Begeisterung für die Sache die Beteiligten leiten mag: Wer so massiv vernetzt agiert, setzt sich – und das Instrument der Akademie insgesamt – dem Ruch der Manipulation aus.

Geld stinkt nicht, verkündete einst der römische Kaiser Vespasian, als er die Latrinensteuer einführte. Das so druckvoll in bestimmte privatwirtschaftliche Kanäle gelenkte Staatsgeld jedoch stinkt durchaus. Wenn nun in der Akademie selber neuerdings beherzt über die Trennung von undotierten eigenen Lolas und nötigen Subventionsmillionen für den künstlerisch innovativen Film nachgedacht wird, so bringt das endlich Sauerstoff in die Debatte. Warum nicht beide Preisformen auf einer gemeinsamen Glanz-Gala vergeben, die auch dem Kulturstaatsminister einen feinen, sauberen Auftritt gönnt? Dann könnten alle, alle die Deutsche Filmakademie lieben. Und den Lola-Glamour sowieso.

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