Politik : Das Risiko fährt mit

Wie drei kenianische Geiseln in den Irak kamen

Renate Yorcks

Mombasa - Abubakr Bunu hat die lockigen schwarzen Haare mit viel Gel nach hinten gelegt. In Jeans und imitiertem Marken-T-Shirt lümmelt er sich in einem Sessel in seinem Büro. Ein Deckenventilator quirlt die schwüle Luft von Mombasa. Ein Mekka-Poster hängt an der Wand. „Wir vermitteln den Leuten hier gute Jobs in den Golfstaaten“, sagt er. „In Kenia gibt es kaum Arbeit.“ Al Chaleej, „der Golf“, heißt die Agentur, die seine Familie seit Generationen betreibt und an der sie offenbar gut verdient.

Im muslimisch geprägten Mombasa gibt es mindestens ein halbes Dutzend ähnlicher Agenturen. Mit Hilfe von Al Chaleej haben auch Fays Chamis Salim und zwei weitere Lastwagenfahrer aus Mombasa in Kuwait Arbeit gefunden. Vor knapp zwei Wochen gerieten sie im Irak in Geiselhaft. Während am Mittwoch sechs jordanische und türkische Geiseln freikamen, ist das Schicksal der drei Kenianer weiter ungeklärt. Ihre Familien verbringen die meiste Zeit vor dem Fernseher. Als der kenianische Außenminister am Sonntag die Freilassung ankündigte, jubelten sie. Die Meldung war falsch. „Die Regierung hat sich nicht mal bei uns entschuldigt“, schimpft Said Chamis Salim.

Sein 39 Jahre alter Bruder habe gewusst, dass er von Kuwait aus in den Irak geschickt werden könnte, sagt Said. Kurz bevor er über die Grenze fuhr, habe er seine Frau per SMS gebeten, für ihn zu beten. „Wer in den Irak geht, bekommt eine Prämie“, sagt Said. „Die Jungs müssen ihren Familien doch Geld schicken.“

„Sie wissen, was sie tun“, sagt auch Abubakr und grinst. „Die Agentur ist nicht für nachträgliche Vertragsänderungen verantwortlich“, steht in Großbuchstaben auf einem Papier, das über seinem Schreibtisch hängt. Über die Höhe des Lohns in Kuwait schweigt er sich aus. In kenianischen Medien war von bis zu 800 Euro pro Monat die Rede – viel mehr, als ein Fahrer in Kenia verdienen kann. Auch die Frage, wer wie viel Vermittlungsgebühr bezahlen müsse, will Abubakr nicht beantworten. Kein Wunder, meint der Bruder des entführten Fays. Der Lastwagenfahrer habe etwa 600 Euro für sein Visum und das Ticket zahlen müssen. In Kuwait habe sich herausgestellt, dass die Agentur dem Arbeitgeber ebenfalls das Visum und den Transport in Rechnung gestellt habe.

Seit der Entführung haben sich bei Al Chaleej keine neuen Arbeitssuchenden gemeldet. Doch Abubakr beunruhigt das nicht: „Es gibt solche und solche Monate“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass sich das auf unser Geschäft auswirkt.“ Dazu sei die Arbeitslosigkeit zu hoch.

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