Das sagt die Konkurrenz über Peer Steinbrück : "Ich nehme jeden, der kommt"
29.09.2012 00:00 UhrMit ihm gerechnet haben viele, doch das Tempo, mit dem Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten wurde, hat nicht nur die SPD verblüfft. Auch Konkurrenten und Koalitionswillige brauchten am Freitag ein bisschen, bis sie ihre Sprachregelungen fanden. Gemeinsam ist vielen Reaktionen der Respekt vor der Person. Ob es Peer Steinbrück freilich gelingt, die SPD zu mobilisieren und ihr eine plausible Machtoption zu eröffnen, wird je nach Parteibuch naturgemäß höchst unterschiedlich eingeschätzt.
DIE UNION
Angela Merkel hat für ihre potenziellen Konkurrenten seit Monaten den gleichen Spruch parat: „Ich nehme jeden, der kommt.“ Das ist in all seiner Mehrdeutigkeit durchaus ernst gemeint. Merkel führt nachhaltig die Beliebtheitsskalen an, sie steigt als klare Favoritin in den Ring. Noch am Freitag bescheinigte ihr das Politbarometer einen Vorsprung von 53 gegen 36 Prozent für den fiktiven Fall, dass das Volk den Kanzler direkt wählen könnte.
Die Kanzlerin, versichern Leute, die sie gut kennen, habe auch keine Scheu, sich auf ihre Art mit ihrem Ex-Finanzminister anzulegen. Die frühere Nähe sei ihr nicht unangenehm, vielleicht sogar im Gegenteil: Gerade weil Steinbrück inhaltlich der Amtsinhaberin nahe sei, werde es ihm umso schwerer fallen zu begründen, dass die Leute ihn statt Merkel wählen sollten. Als Steinbrück im Frühjahr schon einmal mit Kritik an Merkels Euro-Krisenmanagement nach vorn preschte, hatten sich CDU-Strategen bereits den Konter überlegt: Hier die Frau, die die Krise tatsächlich im Zaum gehalten hat – da der Besserwisser im Konjunktiv.
Sehen Sie hier Bilder aus den harmonischen Tagen von Peer Steinbrück und Angela Merkel:
Andererseits wissen sie in der CDU auch, dass die Schwachstelle dieses Wahlkampfs nicht im Kanzleramt liegt, sondern im ganzen Drumherum der entzauberten Wunsch-Koalition. Ob Schwarz- Gelb in den Umfragen in einem Jahr überhaupt als plausible Möglichkeit dasteht, weiß kein Mensch. Wie die drei dauerverzankten Partner ihren Wählern inhaltlich vermitteln wollen, wofür sie gemeinsam noch einmal vier Jahre brauchen, ist bisher ebenso nebulös. Zugleich wird in der CDU die Gefahr gesehen, dass ein Kandidat Steinbrück die FDP in Versuchung führen könnte, sich aus dem jahrzehntelangen Bündnis mit der Union zu lösen.
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Deshalb freut es sie heimlich umso mehr, dass Steinbrück derart früh und „holterdipolter“ ins Rennen gehen muss. „Ein Jahr ist eine irre lange Strecke“, sagt ein christdemokratischer Stratege. So lange die Spannung zu halten und den Kandidaten nicht vorher in Scharmützeln zu verschleißen, sei richtig schwer. Ein Christsozialer verweist in München auf die Erfahrungen, die der bayerische SPD-Spitzenkandidat Christian Ude gemacht hat: „Der ist auch umjubelt gestartet – aber die SPD ist seither keinen Schritt vorangekommen.“ Nach kurzem Anstieg seien die Umfragewerte für die Partei des Münchner Oberbürgermeisters längst wieder ins Trostlos-Normale abgesunken.
Ein Kanzlerkandidat ist freilich schon von Amtes her ein anderes Kaliber, und Steinbrück als Person ist es ebenfalls. Doch gerade darauf setzen manche in der Union gewisse Hoffnungen. Zwar werde Steinbrück sich eine ganze Menge lockere Sprüche leisten können – mal eben die Kavallerie in Marsch zu setzen sei schließlich sein Markenzeichen. Aber an einen potenziellen Kanzler der wichtigsten Wirtschaftsnation würden schon auch hohe Anforderungen gestellt. „Da muss man die nötige Demut mitbringen“, sagt ein Christdemokrat und empfiehlt dem Konkurrenten listig: „Jeden Morgen Kreide!“























