Politik : Das Schuh-Dilemma

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Liebe Globalisierungsgegner,

wir vom Tagesspiegel sind auch gegen die Ausbeutung halb erwachsener Industriearbeiterinnen in der philippinischen Turnschuh-Fabrikation. Entschieden. Wir nehmen mal an, dass dies auch eines eurer Anliegen ist. (Wir duzen euch in der Annahme, dass dies kulturell okay ist und angesichts eures Durchschnittsalters ebenfalls angemessen.) Also, wir sind betrübt. Aber um dies zu erklären, müssen wir ein wenig ausholen.

Wisst ihr, was ein Dilemma ist? Nein, nicht die gleichnamige Kneipe in Neukölln. Philosophisch! Ein Dilemma ist, wenn, egal wie man handelt, etwas Unerwünschtes herauskommt. Beispielsweise eure Demonstration am Dienstagvormittag zwischen Kanzleramt und Schweizer Botschaft. Ihr wart ungefähr so zahlreich wie eine deutsche Gymnasialklasse, aber die freundliche Polizei hatte dennoch weiträumig alles gesperrt. Das musste wohl sein, da ihr ja ein paar zentrale Kreuzungen lahm gelegt habt.

So ergab es sich, dass hunderte Menschen, die im Kanzleramt, im Bundestag oder in der Bundespressekonferenz arbeiten, nicht mit ihrem üblichen Bus zur Arbeit gelangen konnten, sondern laufen mussten. Für mich persönlich ist dies sinnvoll, da ich ja nicht so ausgemergelt bin wie einige von euch. Aber ich denke an die Schuhe und die armen Filippinas, die sie herstellen müssen. Womit wir wieder beim Dilemma wären. Circa 280 Paar Schuhe wurden am Dienstag morgen ganz entschieden abgenutzt, weil die Sperrung zum Schutz eurer Demo tief in Moabit begann. Jetzt freuen sich die philippinischen Schuhfabriken. Dank eurer Aktion ordern wir dort jetzt Nachschub. Seht ihr, das ist ein Dilemma.

0 Kommentare

Neuester Kommentar