Politik : Das Schweigen der Feinde – zu Ende

Wegen Irak gibt es erstmals seit 27 Jahren ein direktes Gespräch Iran-USA. Und Teheran will weitere

Andrea Nüsse[Kairo]

Es war ein historisches Ereignis: Erstmals seit 27 Jahren trafen am Montag Botschafter der USA und Irans zu direkten Gesprächen zusammen. Bei der vierstündigen Unterredung in Bagdad ging es ausschließlich um die Lage im Irak. Weitere Streitthemen zwischen den verfeindeten Regierungen wie Teherans Nuklearprogramm wurden nicht angesprochen. Der US-Botschafter in Bagdad, Ryan Crocker, bezeichnete die Gespräche als „sachlich“. Beide Seiten seien sich einig, dass man einen demokratischen, föderalen Irak wünsche, der seine Sicherheit selbst gewährleisten könne. Allerdings erwarteten die USA „Taten vor Ort“. Über ein von Teheran vorgeschlagenes Folgetreffen werde Washington entscheiden, wenn die Einladung vorliege, sagte Crocker. Außerdem soll Iran ein trilaterales Komitee für Sicherheitsfragen in Irak angeregt haben.

Das Treffen zwischen Crocker und seinem iranischen Amtskollegen Hassan Kasemi Komi fand in der Residenz des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki statt, der sich nach einleitenden Worten zurückzog. Irak war durch Sicherheitsberater Muwaffek al-Rubaie vertreten, ein irakischer Regierungssprecher bezeichnete die Atmosphäre als „herzlich“. Die USA und Iran machen sich gegenseitig für die Lage in Irak verantwortlich. Teheran wirft den USA die Invasion und das Chaos im Irak vor und fordert einen Zeitplan zum Abzug der ausländischen Truppen. Crocker beschuldigte Iran in dem Gespräch, Milizen in Irak zu unterstützen. Auch deren Sprengstoff und Munition kämen aus Iran. Iran hat dies bisher bestritten. In dem Gespräch habe sich der iranische Botschafter nicht direkt zu diesen Vorwürfen geäußert, sagte Crocker anschließend.

Mit einem Durchbruch war bei dem Treffen nicht gerechnet worden. Vielmehr wurde es als ein erster Annäherungsversuch zwischen beiden Parteien angesehen. Die USA hatten die diplomatischen Beziehungen nach dem Sturz des Schahs und der Besetzung der US-Botschaft in Teheran 1980 abgebrochen. Seither betrachten sie Iran als feindlichen Staat. Die Beschimpfung der USA als „Satan“ gehört zum rhetorischen Repertoire des iranischen Regimes. Seit dem Bekanntwerden des iranischen Nuklearprogramms stiegen die Spannungen; der UN-Sicherheitsrat hat im Dezember bereits erste Sanktionen verhängt.

Doch durch den Sturz des Baath-Regimes in Bagdad ist die regionale Macht Irans gestärkt. Signale aus Washington ließen seit kurzem darauf schließen, dass die USA Gesprächen mit der iranischen Führung ohne Vorbedingungen nicht mehr abgeneigt wären. So war beim Irak- Gipfel in Scharm el-Scheich vor drei Wochen mit Spannung erwartet worden, ob Außenministerin Condoleezza Rice mit ihrem iranischen Amtskollegen Manutschkehr Mottaki zusammentreffen würde. Doch dieser hatte ein Dinner, bei dem er am gleichen Tisch wie Rice sitzen sollte, demonstrativ verlassen. Das Treffen der Botschafter in Bagdad wurde durch neue Beschuldigungen Irans belastet. Am Sonntag hatte Teheran verkündet, man habe einen US-Spionagering im Grenzgebiet zum Irak aufgedeckt, und den Schweizer Botschafter, der die USA in Teheran vertritt, einberufen. Die USA äußerten sich dazu nicht. Außenminister Mottaki hatte zuvor erklärt, die USA müssten ihr Scheitern in Irak einräumen.

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