Politik : Das schwere Erbe Francos

Vor 70 Jahren begann der spanische Bürgerkrieg

Nana Heidhues

Berlin - Heute vor 70 Jahren begann mit dem Aufstand des jungen Generals Francisco Franco der spanische Bürgerkrieg. Auf drei Jahre blutiger Auseinandersetzungen und mehr als eine halbe Million Tote folgte eine der längsten Diktaturen Europas. Erst jetzt, 30 Jahre nach dem Ende der Gewaltherrschaft, beginnt Spanien, die Vergangenheit systematisch aufzuarbeiten. Denn seit dem Tod Francos 1975 ist das Land zwar demokratisch, doch als der bereits senile „Caudillo“ im Sterben lag, wurde eine Generalamnestie für alle im Krieg begangenen Verbrechen erlassen. Sie sollte das gespaltene Spanien versöhnen. Erinnerungen an massenhafte Hinrichtungen der „Roten“, an den Exodus linker Intellektueller ins Ausland und an die ideologische Gleichschaltung im „national-katholischen Faschismus“ waren tabu.

Erst seit sechs Jahren kommt die grausame Vergangenheit allmählich ans Licht. Auf Initiative des Journalisten Emilio Silva, der sich auf die Suche nach dem Leichnam seines republikanischen Großvaters machte, entstand der „Verein zur Wiedererlangung des historischen Gedächtnisses“. Über 50 Massengräber wurden seitdem geöffnet, mehr als 300 sollen es insgesamt sein. Während die Zeitzeugen zögernd ihr Schweigen brechen, reagiert nun auch die Regierung in Madrid.

Der sozialistische Ministerpräsident José Luis Zapatero, selbst Enkel eines erschossenen Republikaners, hat eine „Geschichtskommission“ eingerichtet und ein Gesetz zur finanziellen Entschädigung der Opfer angekündigt. Eine juristische Aufarbeitung steht noch aus. Der oppositionellen Volkspartei des früheren Ministerpräsidenten José María Aznar, die vielen Spaniern als inoffizielle Nachfolgepartei von Francos faschistischer Falange gilt, behagt der Blick zurück ganz und gar nicht. Bis heute weigert sie sich, die Diktatur zu verurteilen. Als Zapatero im März 2005 die letzte in Madrid verbleibende Franco-Statue entfernen ließ, sprachen die Konservativen vom „unverantwortlichen Aufreißen alter Wunden“.

Am steinernen Grab Francos nördlich von Madrid zeugt nichts davon, dass der lang gehütete Pakt des Schweigens zu bröckeln beginnt. Kein Hinweis darauf, dass die gigantische Basilika von republikanischen Zwangsarbeitern in den Fels geschlagen wurde. Keine Gedenktafel für die Tausenden, die starben. Ein 150 Meter hohes Zementkreuz überragt majestätisch das zerklüftete Tal. Auf der Grabplatte erinnern frische Blumen daran, dass der tote Diktator auch heute noch verehrt wird. Jährlich dient das Mausoleum alten Falangisten und jungen Neonazis als Schauplatz martialischer Aufmärsche zum Todestag des „Caudillo“. Es ist die letzte unangetastete Bastion der Rechten im Kampf um die Vergangenheit. Doch auch diese soll bald fallen. Die Regierung prüft den Vorschlag, in der Anlage ein Dokumentationszentrum einzurichten. Dann soll auch hier die spanische Vergangenheit endlich vollständig erzählt werden.

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