Politik : „Das Syndrom des Weltkriegs überwinden“

Italienischer Ex-General für deutschen Beitrag

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General Angioni, Sie haben vor 24 Jahren den Einsatz eines italienischen Kontingents geplant und geführt. Auch damals sollte eine multinationale Truppe Frieden garantieren, auch damals nach israelischen Angriffen, seinerzeit gegen Arafats Fatah. Lässt sich daraus für heute lernen?

Man kann vielleicht mehr aus den Unterschieden lernen. Wir, Italiener, Amerikaner, Franzosen und 100 Briten, unterstanden nicht den UN, weil die Sowjetunion dagegen ihr Veto eingelegt hatte, sondern direkt unseren Regierungen. Das hat die Befehlskette kurz gehalten. Beim neuen Einsatz liegt da ein wesentliches Problem: Die UN-Resolution war ein wichtiger und notwendiger, aber eben ein Kompromiss. Ziele und Mittel des Einsatzes sind deshalb sehr unklar formuliert. Das wird Generalsekretär Annan als politisch Verantwortlichen zu langen Abstimmungen mit dem UN-Sicherheitsrat zwingen. Wenn alles gut geht, wissen die Generäle an Ort und Stelle frühestens nach 48, 72 Stunden, was sie zu tun haben.

Ziele, Mittel, Befehlskette: Sehen Sie weitere Probleme des Einsatzes?

Auch der Einsatz arabischer Truppenkontingente ist heikel. Von einigen wird man nicht annehmen können, dass sie unparteiisch sind. Aber politisch ist ihre Einbindung natürlich sehr wichtig; sie gibt der Mission größere Legitimität.

Was kann die Truppe unter diesen Umständen überhaupt schaffen?

Eine Armee bekommt bei entsprechenden Mitteln alles hin. Die politische Führung, und die hat Priorität, muss Ziele und Mittel eben klar formulieren. Aber dieser Einsatz ist auch von großer politischer Bedeutung. Vor allem Europa kann zeigen, dass es ernsthaft an einer Befriedung des Nahen Ostens interessiert ist und dass es eben nicht in Lager geteilt ist, wie es im Irakkrieg schien.

Deutschland streitet über den Einsatz. An Bodentruppen ist nicht gedacht, die Marine soll den Nachschub von Hisbollah abschneiden. Kommt der überhaupt übers Meer?

Ein gewisser Teil sicher. Das Gros des Nachschubs kommt aber auf dem Landweg aus Syrien und dem Iran.

Hierzulande haben Rechte und Linke aus historischen Gründen schwere Bedenken gegen den Einsatz. Zu Recht?

Der Krieg ist jetzt 60 Jahre vorbei, das Weltkriegssyndrom sollte irgendwann verschwinden. Ich wünsche mir sehr, dass Deutschland sich beteiligt. Deutschland spielt eine wichtige Rolle in UN, Nato und vor allem in Europa. Und es kann im Nahen Osten nicht nur eine wichtige Rolle bei Befriedung, Wiederaufbau und im humanitären Einsatz übernehmen, sondern auch mithelfen, dass Europa wieder geschlossen handelt.

Das Gespräch führte Andrea Dernbach

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