Politik : Das „Tor nach Europa“ macht dicht

USA geben die Rhein-Main-Airbase an die Bundesrepublik zurück / Neuer Terminal für Frankfurter Flughafen geplant

Rainer W. During

Berlin - Nach mehr als 60 Jahren Nutzung haben die USA ihren einst wichtigsten ausländischen Militärflugplatz an die Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Mit einer symbolischen Zeremonie schlossen sie am Montag offiziell die Rhein-Main-Airbase. An dem Festakt nahmen am Vormittag rund 800 Gäste teil, unter ihnen der US-Botschafter in Deutschland, William R. Timken, und der während der Berliner Luftbrücke als „Candy Bomber“ bekannt gewordene Colonel Gail S. Halvorsen. Während der Zeremonie wurde ein US-Militärflugzeug auf den Namen „Spirit of Rhein-Main“ getauft.

Es ist das Ende einer Ära: Die Airbase weicht endgültig dem Ausbau des zivilen Flughafens, dessen dritter Terminal hier entstehen und die Kapazität des größten deutschen Airports bis 2015 um 25 Millionen Jahrespassagiere erhöhen soll.

Jahrzehntelang war der südliche Teil des Rhein- Main-Flughafens für die amerikanischen Militärs das „Gateway to Europe“, wie es in großen Lettern am Kontrollturm zu lesen ist. Über Frankfurt liefen nicht nur die Versorgungsflüge für fast alle US-Basen auf dem Kontinent, sondern auch die Transporte für Golf-, Afghanistan- und Irakkrieg. Aber auch zahlreiche humanitäre Einsätze hatten hier ihren Ausgangspunkt. Jährlich wurden zuletzt bei rund 13000 Flügen über 550000 Passagiere und 85000 Tonnen Fracht abgefertigt. 1945 hatten die Amerikaner den während des Zweiten Weltkrieges von der deutschen Luftwaffe genutzten einstigen Zeppelin-Landeplatz übernommen. Zwei Jahre später nahm hier die Berliner Luftbrücke ihren Ursprung. Daran erinnern zwei Rosinenbomber und ein Pendant des Berliner Luftbrückendenkmals. Diese Erinnerungsstätte befindet sich bereits in ziviler Obhut und bleibt auch nach dem Abzug der Militärs erhalten.

1959 wurde der Nordteil des Flughafens in die Verwaltung der heutigen Fraport AG übergeben. Während er kontinuierlich zum größten deutschen Zivilflughafen (2004: 51 Millionen Passagiere) ausgebaut wurde, blieb der Bereich südlich der Landebahnen lange Zeit militärisches Sperrgebiet. Erst 1993 erklärten sich die Amerikaner bereit, die Größe der Airbase zu halbieren. Angesichts der sich abzeichnenden Kapazitätsgrenzen für den Zivilverkehr und der Bündelung der militärischen Aktivitäten schlossen die US Air Force, die Bundesregierung, die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie die Fraport AG dann 1999 den Schließungsvertrag. Im Gegenzug finanzieren die Bundesregierung und die Nato den umfangreichen Ausbau der US-Luftwaffenstützpunkte Ramstein und Spangdahlem mit mehr als 370 Millionen Euro. (mit ddp)

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