Das-tut-man-nicht.de : Geld von der Arbeitsagentur nehmen

Unser Kooperationspartner "das-tut-man-nicht.de" lässt Experten Stellung nehmen zu ethischen und moralischen Konflikten. Heute antwortet BA-Chef Frank-Jürgen Weise auf die Frage, ob man Geld von der Arbeitsagentur nehmen sollte, wenn man es nicht braucht.

Frank-Jürgen Weise
Frank-Jürgen Weise: Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit. -Foto: dpa

FRAGE: Ich habe bisher angestellt gearbeitet und plane nun meine Selbstständigkeit. Mein Steuerberater hat mich auf die Möglichkeit hingewiesen, in den ersten Monaten meiner Existenzgründung Arbeitslosengeld und einen Gründungszuschuss zu bekommen. Nun brauche ich das Geld persönlich nicht – meine Auftragslage ist erfreulich. Andererseits könnte die Firma das Geld schon gebrauchen, schließlich könnte ich schneller investieren und ich würde auch gern eine Teilzeitkraft beschäftigen. Der Arbeitsagentur habe ich das alles wahrheitsgetreu berichtet. Das würde meinen Anspruch nicht beeinträchtigen, sagten die Berater dort. Trotzdem frage ich mich: Tut man das?

FRANK-JÜRGEN WEISEANTWORTET:Ich würde das nicht tun. Der Gründungszuschuss ist für die soziale Absicherung zu Beginn der Existenzgründung gedacht. Und wenn ich so viele Aufträge habe, dass meine Geschäftsidee trägt, benötige ich diese Unterstützungsleistung nicht. Die Hilfen sollten von denen genutzt werden, die sie auch wirklich brauchen - auch wenn ich vermeintlich dieses Geld für Investitionen und für die Einstellung einer Arbeitskraft sinnvoll anderweitig nutzen könnte. Meine Logik ist: Wenn meine Idee gut ist und die geschäftlichen Erfolge sich daher einstellen, werde ich es mir auch leisten können, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Entscheidend ist nicht der schnelle Erfolg, sondern der dauerhafte und nachhaltige Erfolg! Bei der Suche nach einer Arbeitskraft würde ich aber auf jeden Fall die Dienstleistungen der Agenturen für Arbeit in Anspruch einschalten. Vielleicht ist ja je nach individueller Situation die Inanspruchnahme eines Eingliederungszuschusses möglich. Das tut man nicht

Frank-Jürgen Weise ist  Chef der Bundesagentur für Arbeit und sitzt damit auf einem der politisch heikelsten Chefsessel Deutschlands. Begonnen hat er seinen Berufsweg als Bundeswehroffizier. Nach seinem Ausscheiden arbeitete er vor allem als Controller im Vorstand verschiedener mittelständischer Unternehmen. Als die damalige Bundesanstalt für Arbeit weder ihre Finanzen noch ihre Software in den Griff bekam, wurde Weise 2002 als Vorstand gerufen. Nach dem Abgang Florian Gersters als Chef der Agentur im Februar 2002 wurde Weise der neue Mann an der Spitze. Weise ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Quelle: www.das-tut-man-nicht.de




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