DAS UMWELTBUNDESAMT UND DIE DDR : Ein Fall für die Stasi

Das SED-Regime fühlte sich provoziert: Die Gründung des Umweltbundesamtes (UBA) 1974 in West-Berlin sahen die DDR-Oberen als eine eklatante Verletzung des Viermächtestatus an. Denn weil West-Berlin nicht als Bestandteil der Bundesrepublik akzeptiert wurde, sollten dort auch keine Bundesbehörden angesiedelt werden. Flugs arbeitete die Ost-Berliner Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit am 24. Juli 1974 einen „Maßnahmeplan zur Aufklärung der feindlichen Pläne, Absichten, Maßnahmen und Aktivitäten im Zusammenhang mit der Errichtung des Umweltbundesamtes in Westberlin“ aus. Die vier inoffiziellen Mitarbeiter „Jutta“, „Frosch“, „Maria“ und „Krüger“ wurden mit der „Beschaffung der Planungen und Reaktionen aus dem Bereich des Senats von Westberlin und von Dokumenten aus dem Zusammenwirken des Senats mit anderen politischen Institutionen zu den Fragen des Umweltbundesamtes“ beauftragt, heißt es in dem Dokument, das dem Tagesspiegel vorliegt. „Jutta“ arbeitete in der Senatsverwaltung für Finanzen und war eine überaus ergiebige Quelle, die in fast dreißigjähriger Kooperation mit dem DDR- Geheimdienst nahezu 1200 Berichte und Dokumente zu nahezu allen relevanten Themen lieferte. „Frosch“ war ein Spitzel in der Senatskanzlei. „Maria“ war in der Gesundheitsverwaltung und „Krüger“ im Archiv Preußischer Kulturbesitz tätig. Speziell in den Berliner SPD-Führungsgremien sollten die IM „Eisenstein“, „Erler“ und „Giesbert“ unter anderem über „SPD-Personen, die im oder für das Umweltbundesamt tätig sind“, informieren. Über IM „Dr. Zeitz“ an der FU und die Kontaktperson „Raddatz“ in der Max-Planck-Gesellschaft sollten Aufgaben und Verantwortlichkeiten des UBA aufgeklärt werden. sc

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