Politik : „Das Verhältnis zu den USA ist der Schlüssel“

Im Atomkonflikt mit Nordkorea hält der CSU-Politiker Koschyk noch etwas Geduld für notwendig

Ruth Ciesinger

Pjöngjang/Berlin - Selbst Nordkoreaner räumen ein, dass ihr abgeschottetes Regime die internationalen Strafmaßnahmen spürt. Im Mai kamen bei Gesprächen in Pjöngjang mit dem CSU-Politiker Hartmut Koschyk mehrfach Probleme beim Zahlungsverkehr zur Sprache; der Chef der neuen Außenhandelskammer, Ri Song Ong, gab auch vor Journalisten zu, Geldüberweisungen würden nicht mehr funktionieren. Keine Bank steht demnach für Finanzgeschäfte mit Nordkorea zu Verfügung, da sie sonst amerikanische Repressionen fürchten müsste. Wegen der US-Finanzsanktionen herrscht derzeit aus nordkoreanischer Sicht aber auch Stillstand im Atomkonflikt.

Nach dem Atombombentest im vergangenen Herbst hatte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen das oft als stalinistisch bezeichnete Land verschärft, doch im Februar einigten sich die USA, Nord- und Südkorea, China, Japan und Russland auf einen Weg aus der Krise. Dass sich dennoch seit Monaten nichts tut, liegt an 25 Millionen Dollar, die das US-Finanzministerium auf Konten der Banco Delta Asia in Macao hatte einfrieren lassen. Sobald die Millionen freigegeben seien, werde wie vereinbart der Atomreaktor von Jongbijon heruntergefahren, sagte Nordkoreas Parlamentspräsident während des Besuchs der Bundestagsdelegation. Zwar ist dies nach Washingtons Angaben längst der Fall, doch Pjöngjang will die Millionen nicht im Koffer abholen, sondern ordentlich überwiesen bekommen – und dazu ist bisher offenbar keine Bank bereit.

Hartmut Koschyk geht trotzdem davon aus, dass sich für das Problem eine Lösung findet. Man müsse „noch etwas Geduld haben, bis der erste Schritt erfüllt“ sei, sagt er. Eine „Normalisierung des Verhältnisses zu den USA“ ist seiner Ansicht nach auch „der Schlüssel“, um das Regime von Kim Jong Il insgesamt weiter zu öffnen. Koschyk hat auch mit Südkoreas Ex-Präsidenten Kim Dae Jung, der die sogenannte Sonnenscheinpolitik gegenüber dem Norden eingeleitet hat, gesprochen. Seoul geht demnach davon aus, ein außenpolitischer Erfolg wie die Normalisierung des Verhältnisses zu Washington würde es der Führung in Pjöngjang erleichtern, innenpolitisch die Zügel etwas zu lockern. Südkorea würde auch lieber weiter mit dem Diktator zusammenarbeiten als beispielsweise mit einer von China gesteuerten Militärjunta, die dem Sohn des Staatsgründers Kim Il Sung nachfolgen könnte.

Seit Deutschland 2001 diplomatische Beziehungen zu Nordkorea aufgenommen hat, ist Hartmut Koschyk schon siebenmal in das Land gereist. Er hat in dieser Zeit einen „leichten Veränderungsprozess“ gespürt. Dass die Regierung ausländische Fachleute und auch Journalisten einreisen lasse und außerdem an Auslandsstipendien für nordkoreanische Studenten interessiert sei, könne nicht ganz ohne Wirkung bleiben. „Das verändert auch etwas im Denken“, sagt er.

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