Politik : „Das Waldsterben ist gestoppt“

Ministerin Künast sieht eine Trendwende – aber noch keinen Anlass zur Entwarnung / 21 Prozent der Fläche sind stark beschädigt

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Berlin (dpa/Tsp). Das Waldsterben in Deutschland ist nach Ansicht von Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) gestoppt. „Ja. Wir haben den Trend umgekehrt“, sagte Künast der „Welt am Sonntag“. „Der Wald wächst wieder gesünder, die Flächen nehmen zu, die Holzwirtschaft hat in Deutschland eine gute Zukunft. Unsere Wälder sind schöner geworden. Ich kann nur dringend empfehlen, am Sonntag einen Waldspaziergang zu unternehmen“. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte dem Tagesspiegel, die Äußerungen Künasts seien jedoch nicht als Entwarnung zu verstehen. Im jüngsten Waldzustandsbericht 2002 hatte Künasts Staatssekretär Gerald Thalheim noch darauf hingewiesen, dass allenfalls von einer Stabilisierung, jedoch nicht von einer Verbesserung die Rede sein könne.

Der GrünenUmweltexperte Winfried Hermann wies gegenüber dem Tagesspiegel auf den über 20 Jahre dauernden Einsatz seiner Partei für bessere Luft hin, widersprach aber Künast: Beim Waldsterben „gibt es keine Trendwende“. Die Entwarnung komme zu früh. Umweltorganisationen wiesen darauf hin, dass es dem Wald derzeit fast so schlecht geht wie vor 20 Jahren. Der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden lag bei der ersten Erhebung 1984 bei 23 Prozent.

SPD-Fraktionsvize Michael Müller sagte dem Tagesspiegel, der Waldzustandsbericht 2002 habe dennoch eine Wende zum Besseren erkennen lassen. Der Kampf gegen die Luftverschmutzung durch Straßenverkehr weise Erfolge auf. Doch belaste die Landwirtschaft den Wald nach wie vor stark. „Hier gibt es erhebliche Probleme“, sagte Müller.

Offenbar hat sich Künast bei ihren Äußerungen auf den Waldzustandsbericht von 2002 bezogen. Neuere Ergebnisse, dass sich die Lage seitdem gebessert habe, lägen dem Ministerium nicht vor, sagte die Sprecherin. Dem Bericht von 2002 zufolge sind 21 Prozent der Waldfläche stark, weitere 23 Prozent deutlich geschädigt. Seit 1995 hat sich die Situation des Waldes damit nicht grundlegend geändert. Der einzige Baumbestand, der sich deutlich erholt zu haben scheint, sind Eichen. Von ihnen sind nur noch 29 Prozent geschädigt. Fünf Jahre vorher war es noch knapp die Hälfte dieser Bäume.

Der Kampf gegen das Waldsterben war das traditionelle Thema der Grünen. Sie führten damit auch die Wahlkämpfe zum Landtag 1980 in Baden-Württemberg und zum Bundestag 1983. Damals gelang der Partei erstmals der Einzug in beide Parlamente.

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